25. Oktober

Fünftens habe ich gelernt, von einem Tag zum anderen zu leben. Endlich bin ich dahinter gekommen, dass mir nur das Heute, die Gegenwart gehört. Dieses Bewusstsein löscht alles nutzlose Bedauern aus und verbannt die Furcht vor dem Morgen. Heute gehört mir die Welt, jetzt ist die Stunde, die zählt; mit ihr kann ich anfangen, was ich will; sie ist mein zu Freud oder Leid. Was ich jetzt, in diesem Augenblick tue, das macht mein Leben aus; denn mein ganzes Leben ist nichts als eine Kette aneinander gereihter Augenblicke. Darum will ich jeden mir durch die Gnade Gottes gewährten Augenblick nutzen. Was ich jetzt tue, das entscheidet über Erfolg oder Misserfolg meines Lebens.

Lebe ich ganz in der Gegenwart?

MEDITATION

Wir müssen ständig Selbstüberwindung üben, ständig gegen unsere selbstsüchtigen Wünsche und unsere Eigenliebe anzukommen suchen. Ganz wird uns das nie gelingen, völlig selbstlos können wir niemals werden. Aber zumindest wird uns allmählich klar, dass wir nicht im Mittelpunkt des Geschehens stehen, dass sich die Welt nicht nur um uns dreht. Ich bin nur ein winziges Rädchen im Getriebe und sollte mich wenigstens bemühen, meine Selbstsucht zu unterdrücken und täglich mehr Selbstüberwindung zu üben.

GEBET

Ich bete, dass ich danach streben möge, meine Selbstsucht zu überwinden. Ich bitte, dass ich meinen eigenen Standpunkt im Geschehen richtig einschätzen lerne.