30. Juni

Solange er trinkt, kann oder will ein Alkoholiker nicht in der Gegenwart leben. Demzufolge lebt er in einem ständigen Zustand von Furcht und Reue, teils wegen seiner gottlosen Vergangenheit mit all ihren krankhaften Reizen, teils wegen der ungewissen Zukunft mit ihren dunklen Vorzeichen. Seine einzige Hoffnung besteht deshalb darin, sich auf die Gegenwart einzustellen - auf das Heute. Heute gehört uns die Welt. Die Vergangenheit ist unwiderruflich dahin. Die Zukunft ist unberechenbar wie das Leben selbst. Nur das Heute gehört uns.

Lebe ich in der Gegenwart?

MEDITATION

Ich muss mein Vorleben so weit wie möglich vergessen. Es gehört verflossenen Zeiten an und es lässt sich nichts mehr daran ändern - es sein denn, ich kann etwas wieder gut machen. Sonst aber Schwamm drüber. Ich darf nicht mit alten Schuldgefühlen beladen herumlaufen, sondern muss zuversichtlich vorangehen. Dann werden sich die Wolken verziehen, und mein Weg wird sich lichten und mit jedem Schritt weniger steinig sein. Gott trägt dem nichts nach, den er wiederhergestellt hat. Und so kann aus mir noch ein ganzer und freier Mensch werden, so sehr ich mein Leben auch bislang verpfuscht haben mag. Erinnern wir uns doch der Worte: "So verdamme ich dich auch nicht, gehe hin und sündige hinfort nicht mehr."

GEBET

Ich bete, dass ich mich nicht länger mit meiner Vergangenheit belasten möge.