Nachbehandlung und Nachreifung in der abstinenten Gruppe

Vortrag von Herrn Dr. Lothar Schmidt, Berlin, gehalten anlässlich eines Wiedersehenstreffens im Frühjahr 1973 vor ehemaligen Patienten der Heilstätte Moorpension.

Es kommt ein alkoholkranker Freund zu uns. Er zittert, er zeigt Schweißausbrüche, es treibt ihn eine furchtbare Unruhe, er ist völlig verzweifelt. Seine Familie löst sich auf, seine Frau erwägt die Scheidung, die Kinder schwanken zwischen Verachtung und Liebe. Unser Freund fühlt sich körperlich fertig. Der Appetit ist denkbar schlecht, oft muss er erbrechen. Fast jeden Morgen muss er würgen, oft drückt es im Bauch. Er ist verzweifelt.

Konzentration und Merkfähigkeit haben nachgelassen, und häufig kommt eine scheußliche Angst. Er ist so kaputt, daß er schon wiederholt nicht zur Arbeit gehen konnte. Der Arbeitgeber hat ihn schon mehrfach verwarnt. Aber er will ja nicht seine Arbeit verlieren, und so schleppt er sich immer wieder hin.

Es geht kaum noch. Ohne Alkohol schon gar nicht, und mit Alkohol ist es auch scheußlich. Nein, es geht nicht mehr. Unser Freund will nicht seine Familie verlieren, er will arbeiten, er will aufrecht bleiben. Nur manchmal, da ist ihm schon alles egal. Nein, es geht nicht mehr. Der immer größer werdende Leidensdruck riss die Abwehrmauer ein. Ja, ich will mich behandeln lassen, und er schreit mich förmlich an.  Ich will raus.

Ein Bild, das wir fast täglich erleben.

Unser Freund wird behandelt. Er wird ruhig, die heftigen Abstinenzerscheinungen klingen ab. Er lernt, daß Alkoholismus eine Krankheit ist. Er erkennt, daß er Gamma-Alkoholiker ist und das erste Glas seine Krankheit wieder akut werden lässt.

Unser Freund ist einige Wochen trocken. Die Familie schöpft wieder neue Hoffnung. sie wendet sich wieder zu ihm: Unser Freund erzählt allen, daß er nie wieder trinken wird, nie wieder. Er hat das übrigens schon oft gesagt, aber diesmal, so sagt er, ist er fest entschlossen und überzeugt davon.

Unser Freund ist einige Monat abstinent. Er arbeitet wieder. Es geht ihm eigentlich wieder ganz gut. Er ist lediglich hin und wieder etwas aufgeregt, aber wer ist das nicht? Und im übrigen, so ein ganz richtiger Alkoholiker war er ja gar nicht. Andere trinken ja viel mehr. Die sollten sich behandeln lassen. Dass seine Frau noch ängstlich und sein Chef noch zurückhaltend ist, ist eine große Unverschämtheit. Er hat doch schließlich bewiesen, daß er seine Probleme lösen kann. Er ist überhaupt ein ganz tüchtiger Kerl. Man hat ihm gesagt, er soll zur Gruppe gehen. Was soll er da? Da gehören die richtigen Säufer hin.

Unser Freund ist noch einige Monate trocken. Er  meint, daß seine Familie eigentlich seine Leistung viel zuwenig anerkennt. Er kann sich doch in den Griff nehmen. Er könnte sicher auch einmal ein Glas Alkohol trinken, das kann er ganz bestimmt steuern, das macht ihm bestimmt nichts aus. Aber er will nicht.

Unser Freund lebt noch einige Wochen mit dem Gedanken, er könnte durchaus ein Glas Alkohol vertragen, aber seiner Frau zuliebe will er es lassen, damit die ihre Ruhe hat. Da, eines Tages hat er wieder eine eigenartige Unruhe, die Arbeit geht ihm nicht so von der Hand, der Chef schient auch heute seinen schlechten Tag zu haben, er macht eine negative Bemerkung. Und da bringt ein Kollege eine Flasche.

Ach, alles Unsinn -- ein Schluck --, ach, Unsinn alles,-- noch einen Schluck, -- alles ist Unsinn --, habt ihr nicht noch etwas zu trinken? Er trinkt, wie in einen ausgetrockneten Schwamm drängt sich der Alkohol in ihn hinein.

Unser Freund hat seine Krankheit genau dort wieder aufgenommen, wo er sie vor Monaten unterbrochen hatte, das Händezittern, die Unruhe, das Schwitzen: die alte Begleitmusik hat sich wieder eingefunden, so als ob sie gar nicht weggewesen wäre. Wie konnte das passieren? Unser Freund war doch gut aufgeklärt. Ja, er hat seiner Familie Vorträge über den Alkoholismus gehalten.

Ich brauche hier in ihrem Kreis von Praktikern und Fachleuten keinen Vortrag über Alkoholismus zu halten. Wir wissen alle, daß die Alkoholkrankheit kein kleiner Schönheitsfehler ist, sie beschränkt sich auch nicht auf ein Organ, sondern umfasst den ganzen Menschen in allen seinen Bereichen und erfasst jeden Winkel seiner Lebensfunktionen. Der Alkoholkranke wird vielseitig krank.

Ein gesundes Leben ruht auf vier Grundpfeilern, die alle durch die Alkoholkrankheit zerstört werden können. Es sind die körperliche, seelische, soziale und die geistig-spirituelle Gesundheit. Wie ein Tisch auf vier Beinen, vier Stützen ruht, so bedingt ein gesundes glückliches, harmonisches Leben die Unversehrtheit dieser vier Grundpfeiler. Bricht ein Stück eines dieser vier Stützen ab, so findet mancher Freund eine falsche Lösung. Er bemüht sich nicht, diese Stütze zu reparieren, sondern stellt eine Flasche darunter, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dieses Provisorium mag zuerst gut gehen. Doch bald wird er feststellen müssen, daß er damit nicht nur den Schaden behoben hat, sondern daß er die Stützen damit schädigt. Er muss mehr Flaschen darunter stellen. Der Tisch aber steht nicht mehr gerade, denn seine Stützen sind beschädigt.

Der Alkoholkranke wird in allen vier Bereichen krank.

Er wird körperlich krank: Von 1500 Alkoholkranken, bei denen wir Leberfunktionen durchführten, zeigen nur etwa 7% ein völlig normales Leberbild. Von 1800 Alkoholkranken zeigten bei gründlicher Untersuchung der Bauchspeicheldrüse etwa 33% krankhafte Veränderungen. Von 800 Patienten einer Versuchsreihe hatten 37,2% krankhafte EKG-Veränderungen, über 50% zeigten im Röntgenbild Zeichen einer Magenschleimhautentzündung.

Er wird sozial krank: Es finden sich Schwierigkeiten mit dem Partner, in der Familie, im Beruf, die zwischenmenschlichen Beziehungen ändern sich. In einer Beobachtungsgruppe von 665 Alkoholkranken waren 45% verheiratet. Wir fragten 539 Alkoholkranke nach der Atmosphäre in ihrer Familie, 57% bezeichneten sie als schlecht, 40% gaben Sexualprobleme an. Die Aufschlüsselung von 748 unserer Krankenhauspatienten ergab bei 30% einen Berufsabstieg, bei 39% einen häufigen Stellenwechsel, 69% waren mit ihrer Berufssituation unzufrieden.

Er wird seelisch krank: Die seelischen Veränderungen lassen sich oft nicht so sichtbar machen wie die körperlichen Schäden, sie sind jedoch meistens ausgeprägter. Der Alkoholkranke, der sich oft jahrelang in der Abwehr und auf der Flucht vor sich selber und vor anderen befindet, erfährt damit eine Ich-Schwächung und einen Verlust seines Wertgefühls, was zu unangepassten Kompensationsmechanismen führt. Eine Serie von Psychologischen Tests ergab bei Alkoholkranken eine Verringerung der Widerstandsfähigkeit, eine Einengung der Frustrationstoleranz, es wird für ihn immer schwieriger, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu versagen. Es findet sich eine zunehmende Unfähigkeit, Angst und Spannungen zu ertragen. Weiterhin sind zu beobachten: Zunehmende Isolations- und Angstgefühle, Verringerung des Selbstbewusstseins, gelegentliche Gefühle von Omnipotenz, d.h., ich kann alles, ich bin ein ganz Großer oder gar der Größte, geringes Durchhaltevermögen, vermehrte Drehung um die Ich-Achse, Exhibitionismus, zunehmende Stimmungsschwankungen, zunehmender Kampf zwischen Passivität und Aggression, oft verbunden mit feindlichen und rebellischen Gefühlen, Gefühle der Selbstverachtung, der Wertlosigkeit, zunehmendes unrealistisches Denken, Verlust der Selbstkritik, zunehmender Wunsch, Schwierigkeiten auszuweichen, zunehmender Verlust der gefühlsmäßigen Kontrolle.

Er wird in geistig-spiritueller Hinsicht krank: Sein Glaubensleben wird krank. Mit dem aus der Glaubenslosigkeit eintretenden Verlust der Verantwortlichkeit vor Gott, geht der tiefe Sinn der Verantwortlichkeit sich selbst und dem Mitmenschen gegenüber verloren. Das Nichtwissen um den eigentlichen Sinn der Verantwortung führt zu Fehlformen des Lebens, zur Umwertung auf den verschiedensten Gebieten in der Beziehung zum Mitmenschen, zum Geld, zur Arbeit, zum Eigentum. Es verlieren sich Voraussetzungen für eine prägende Erziehung und es mangelt an Kraft zum eigenen Bemühen. Fehlformen des Geltungs- und Machtstrebens setzen ein sowie gesteigerte ichbezogene Anspruchsforderungen. Der Alkoholkranke verliert seine von Gott gewollte Freiheit und wird immer mehr von Menschen und materiellen Dingen abhängig. Die Glaubenslosigkeit bedeutet Kraftverlust und führt vielfach zur Sinnentleerung des Daseins und kann den Menschen unfähig machen, sein "So-sein", sein Schicksal anzunehmen und zu ertragen.

Diese seelische Not erkennend schrieb bereits 500v.Chr. Aischylos in seinem  Agamemnon: "Vater des Lichts, wer auch immer er sei...... Wir haben ja nichts, daß ein Maß uns wäre, so wir alles messend bedenken, nur den Vater des Lichts, wenn es gilt, die Sorge, die fruchtlose Last, wahrhaft in das Nichts zu werfen...."

Da die Alkoholkrankheit und ihre Folgen alle Lebensfunktionen infiltriert, kann nicht die Abstinenz das Ziel der Behandlung sein. Abstinenz ist nur die Voraussetzung für den Gesundungsprozess, der eine Veränderung der Lebensgewohnheiten und eine Persönlichkeitsumstrukturierung notwendig macht. Trocken- und Nüchternwerden heißt somit, nicht nur keinen Alkohol mehr zu trinken, sondern heißt Bemühen, sein Leben in allen Bereichen in Ordnung zu bringen.

Auch wenn Abstinenz erreicht ist, wird die körperliche Verfassung des Alkoholkranken nicht immer hervorragend sein. Er wird sich u.U. oft müde, reizbar, bedrückt, abgeschlagen, unsicher und schlaflos zeigen. Nachdem er jahrelang den Alkohol als Lösungs- und Fluchtmittel benutzt hat, kann ihm die Abstinenz Unsicherheit Depressionen und Angst bringen, Er kann den Alkohol, der vielleicht seine Unsicherheit in der Gesellschaft beseitigte, nicht mehr trinken, und so findet er zunächst nicht mehr den gewohnten gesellschaftlichen Kontakt. Sein angeschlagenes Selbstbewusstsein kann somit erneut leiden. Für manchen diente der Alkohol zur Befriedigung narzisstischer Bedürfnisse, in dem er durch ihn in einen Zustand betonten Selbstvertrauens versetzt und ihm das Gefühl der Selbstsicherheit, Witzigkeit und Spritzigkeit vermittelt wurde. Auf diese Gefühle muss er verzichten, wenn er nüchtern ist. Der Alkohol kann ihm Illusion geben, ein Anrecht auf uneingeschränkte Anerkennung und Zustimmung zu besitzen. Diese Illusion soll er nicht mehr erleben. Solange der Alkoholkranke sich nicht vorstellen kann, daß ein Leben ohne Alkohol reicher und besser ist als eines mit Alkohol, wird er den Alkohol nicht aufgeben. Nachdem er den Alkohol zur Bewältigung seiner Alltagsproblem brauchte wie das tägliche Brot, ist der Gedanke an die Abstinenz durchaus in der Lage, ihn immer wieder in Depressionen und Panik zu stürzen. Sein Verhalten und Erleben haben sich über Jahre an seinen Alkoholkonsum angepasst, somit geht es beim Gesundwerden nicht nur um das Weglassen des ersten Glases, sondern um den Auf- und Umbau der gesamten Persönlichkeit.

Hierzu ist Arbeit an der eigenen Persönlichkeit nötig, eine Arbeit, die für den alkoholkranken eine lebensnotwendige Medizin darstellt. Jede klinische oder Heilstättenbehandlung, ganz gleich ob sie nach deutschen Modellen langfristig oder nach zahlreichen ausländischen Modellen kurz- bzw. mittelfristig durchgeführt wird, stellt nur eine Anfangsbehandlung dar, der sich eine wirksame jahrelange ambulante Nachbehandlung anschließen muss. Das für die Umstrukturierungsprozesse notwendige Feld findet der Alkoholkranke in den Gruppen der Abstinenzverbände sowie bei den Anonymen Alkoholikern. Ich schließe mich der Meinung zahlreicher Fachleute an, daß die eigentlichen Gesundungsprozesse und damit Schwerpunkte der Behandlung sich nicht in dem geschützten Milieu, unter der berühmten Käseglocke einer Heilstätte oder einer Klinik vollziehen, sondern außerhalb der Klinik in der harten Auseinandersetzung mit dem Alltag und seinen milieutoxischen Einflüssen.

Der Alkoholkranke hat sich in jahrelanger fleißiger Übung Fehlverhaltensweisen antrainiert und ursprüngliche Fehlhaltungen vertieft. Er braucht deshalb auch ein jahrelanges Bemühen um Selbsterkenntnis sowie ein jahrelanges intensives Verhaltenstraining, um sich wieder umzukonditionieren.

Wer sein Krankheit unterschätzt, nicht begreifen kann, daß es letztlich um Sein oder Nichtsein geht, wird Vorbehalte machen und Fehlhaltungen und Unkorrektheiten tolerieren. Er wird Belastungsfaktoren in seinem Leben nicht mit aller Konsequenz abbauen. Das Bedürfnis, an sich zu arbeiten, die Gruppenbehandlung regelmäßig aufzusuchen und den Kontakt mit anderen Alkoholikern zu pflegen , wird nur oberflächlich sein und bald einschlafen. Die Überzeugung, alles für die Gesundung einsetzen zu müssen, wird nicht bestehen, und der Betreffende ist hochgradig rückfallgefährdet wie unser eingangs erwähnte Freund.

Nicht selten sagte mir ein Alkoholkranker beim Abschiedsgespräch aus der Klinik, daß er alles, was mit seiner Alkoholkrankheit im Zusammenhang stehe, jetzt ganz klar sehe und deshalb nie mehr ein Glas Alkohol trinken würde, Ich könne mich auf sein Wort ganz verlassen. So gut das auch klingen mag, ich habe bei diesen Abschiedsbeteuerungen durchweg ein sehr, sehr unangenehmes Gefühl. Wer nämlich einen kleinen Begriff über seine Alkoholkrankheit und ihre Folgen bekommen hat, der wird wissen, daß er am Anfang eines Reifungs- und Gesundungsprozesses steht, der ihm erst mehr und mehr Überblick über sich und seine Krankheit schenken wird.

Wir alle wissen um die Schwierigkeiten und Begrenzung der Selbsterkenntnis.

Für den Alkoholkranken ist diese zunächst erheblich eingeschränkt. Er besitzt häufig  eine gefährliche Augenkrankheit, nämlich eine Sehschwäche oder gar Blindheit für Realitäten. Das reale Denken findet sich erst im späteren Verlauf des Gesundungsprozesses. So können Fehleinschätzungen, Z.B. des eigenen Leistungsvermögens und der Durchhaltefähigkeit, so können schwer zu kontrollierende Triebimpulse und die eingeschränkte Frustrationstoleranz ernste Krisen hervorrufen, die für den Kranken akut rückfallgefährdend sind.

Das an sich schon verwirrende Bild unserer Persönlichkeit wird noch dadurch wesentlich kompliziert, daß wir nur von einem Teil von ihm eine Aussage machen können. Es ist der Teil, den die Wissenschaft das Wachbewusstsein oder das Bewusstsein nennt. Unsere seelische Persönlichkeit ist jedoch noch viel reicher, sie besitzt noch einen Teil, den wir nicht kennen, nämlich das Unbewusste.

Die bewusste Persönlichkeit ist durch die willensmäßige Betätigung, durch Kritik, Logik sowie durch die Periodizität ihrer Funktionen gekennzeichnet.

Das Unterbewusstsein dagegen ist ein Sammelbecken für alle Erinnerungen, Eindrücke, Verdrängtes, Vergessenes. Es enthält die Inschriften der von den Eltern und Voreltern übernommenen Erbanlagen und schließlich das Kollektive, allen Menschen gemeinsame. Welcher von beiden Teilen vermag unser Verhalten, unser Erleben, ja, unser Leben mehr zu steuern?

Der Begründer der Tiefenpsychologie, Siegmund Freud, hat einmal das Bewusstsein mit der Spitze eines Eisberges verglichen, die über dem Wasserspiegel herausragt. Das Unbewusste ist in diesem Bild der viel größere Anteil unter der Wasseroberfläche.

Um die Bedeutung des Unbewussten ein wenig zu verstehen, lassen Sie mich einen kleinen Blick auf seinen Aufbau werfen. Da sind zunächst einmal die von den Eltern und Voreltern übernommenen Erbanlagen, die nicht nur unsere körperlichen Merkmale, sondern auch einige seelische Grundeigenschaften in uns prägten, z.B. die Sensibilität, Die Ausdauer, das Tempo.

Weiterhin sind Eindrücke während der ersten Kinderjahre von großer Bedeutung. Lange bevor sich das Bewusstsein ausbildet und funktionstüchtig wird, ist bereits das Unterbewusstsein gewissermaßen als weiche Wachsplatte bereit, Eindrücke aufzunehmen und zu sammeln. Ungünstige, schädliche Einflüsse während der ersten 3-4 Lebensjahre führen u.U. zu schweren seelischen Fehlhaltungen. In diesen Jahren können Gewohnheiten, Neigungen, Strebungen eingeschliffen werden, die sich für das ganze Leben prägend bemerkbar machen. Was haben uns unsere Eltern durch ihre Haltung, durch ihr Verhalten ins Unterbewusstsein gelegt? Hatten wir eine Mutter, die während der ersten Monate durch Liebe, Wärme, Gleichmäßigkeit und gleich bleibende Zuwendung uns und unseren erwachenden Sinnen den Brückenschlag zur Welt erleichterte und ein Urvertrauen in uns pflanzte oder nicht?

Für uns aber ist noch ein dritter Bereich unseres Unterbewusstseins von großer Bedeutung. Wir wissen heute, daß in Wirklichkeit nichts vergessen, nichts verloren geht oder sagen wir es besser, daß alles, was wir gesehen, gedacht und erlebt haben, letztlich nicht aus unserem Leben verschwunden ist. Nur ein kleiner Teil von dem, was wir sehen, hören, erleben bleibt im Wachbewußtsein, der weit größere taucht ins Unterbewusstsein, um dort für lange Zeit oder für immer verborgen zu bleiben. Verborgen für unser Wachbewußtsein und doch wirksam für unser Verhalten, wirksam für den Aufbau unserer Persönlichkeit.

Wir hören von Menschen, die den sicheren Tod vor Augen hatten und doch noch durch ein Unvorgesehenes gerettet wurden, daß sie ihren ganzen Lebensfilm mit allen dunklen Stellen, die sie längst vergessen hatten, in wenigen Sekunden vorbeiziehen sahen. Es handelt sich bei diesen Berichten nicht um billige Schriftstellerphantasien, sondern um Tatsachen. Nichts geht verloren. Es gibt kein Vergessen. Das ist das große, vielleicht aber auch furchtbare Wunder des Unterbewusstseins.

Das Wissen um diese unerbittliche Buchführung lehrt uns aber auch, daß es nicht gleich ist, womit wir uns beschäftigen, nicht gleich ist, was wir denken. Es ist nicht ohne Bedeutung, ob wir nur billige Romane lesen, nur oberflächliche Unterhaltungen pflegen, uns ungünstigen Einflüssen aussetzen. Nichts geht verloren, alles formt unser Unbewusstes und damit uns selbst.

Ein Mensch, der 10 Jahre nur seichte Schmöker gelesen hat, wird kaum im Stande sein, ein Buch durchzuarbeiten, das Nachdenken erfordert und Mühe macht. Ein Mensch, der viele Jahre nicht mehr gearbeitet hat, wird es nicht leicht haben, sich wieder an einen Arbeitsrhythmus anzupassen. Ein Freund, der 10 oder 15 Jahre gewohnt war, Probleme, Ängste, Konfliktsituationen, Stress-Situationen und Unsicherheiten mit Alkohol auszuweichen, wird entdecken, daß er, falls er sich nicht kontrolliert, bei ähnlichen Gegebenheiten das Glas in der Hand hält. Sicher , er will nicht mehr trinken, aber er trinkt.

Ich weiß nicht, ob hier ein starker Raucher unter uns ist, der gewohnt ist, seine Zigaretten in einer Jackettasche aufzubewahren. Nehmen wir an, ab heute rauchen Sie nicht mehr. Sie werden entdecken, wie Ihre Hand immer wieder in die Jackettasche greift.

Prof. Schultz berichtet in einem seiner Bücher über eine Versuchsperson, bei der ein Ekelerlebnis gegenüber Pflaumen in das Unterbewusstsein gelegt wurde, in dem man ihr durch Hypnose die Vorstellung gab, sie beiße in eine Pflaume, in der sich eine scheußliche Made befindet. Nachdem die Versuchsperson ohne Lösung dieser Vorstellung geweckt wurde, lehnte sie jeden Obstgenuss ab, ohne eine sichere Begründung außer "sie habe keine Lust" und "habe schon genug" geben zu können. Es muss noch betont werden, daß jene Dame sonst sehr gerne Obst aß. Ahnen wir, welche Macht unser Unterbewusstsein über unser Fühlen, unsere Neigungen, Strebungen, unser Denken, ja, unser Leben hat?

Was hat uns das Wissen um den Aufbau unserer seelischen Persönlichkeit zu sagen? Mit Hilfe unseres Bewusstseins können wir aus unserer Erfahrung und der in der Heilstätte oder in der Klinik vermittelten Informationen erkennen, daß wir alkoholkrank sind und nicht mehr Alkohol trinken können. Es kann der feste Entschluss entstehen: Ich will nicht mehr trinken. In diesem Entschluss aber kann sich bereits etwas dazwischen drängen, denn zwischen Bewusstem und Unbewusstem gibt es noch Vorbewußtes, es enthält die unbewussten Wünsche und Neigungen, die ganz nahe am Bewussten liegen und deshalb für uns oft erkennbar werden. Geht es Ihnen auch so wir mir, daß das, was ich will, oft etwas anderes ist, als das, was ich eigentlich will. Ich sage es noch einmal: Dass das, was ich will, oft etwas anderes ist, als das , was ich eigentlich will. Unter der Schicht des Bewussten und absichtlichen Wollens spielen sich Unbewusste Vorgänge ab, die den bewussten nicht selten zuwiderlaufen. Mancher alkoholkranke Freund sagte aus Überzeugung, daß er nicht mehr trinken will, und er meinte es ehrlich. Wollte er aber auch eigentlich nicht mehr trinken?

Aber nehmen wir an, daß er in seinem ganzen Bewußtseinsbereich uneingeschränkt zu dem Entschluss steht, nicht mehr zu trinken. Das aber ist nicht genug und kann ihn allein nicht vor einen Rückfall schützen, weil im Unbewussten, in seinem Es das Trinken noch fest verankert ist.

Mancher schon lange abstinent lebende Freund wurde von Träumen erschreckt, in denen er sich trinkend erlebte. Schweißgebadet wachte er auf, um dann festzustellen, es war nur ein Traum. Obwohl das bewusste Ich schon lange nicht mehr trank, sein Es war noch nicht frei davon.

Wir sollten erkennen, daß die verborgenen Triebe, Bedürfnisse, Hemmungen, die Ihr und mein Unterbewusstsein erfüllen, die entscheidenden Dinge unseres Lebens sind. Das bekannte griechische Wort am Apollo-Tempel zu Delphi "Erkenne dich selbst" wendet sich an das Bewusstsein. Der Psalmist 1000 Jahre vor Christus, scheint mehr vom Aufbau der Persönlichkeit zu wissen, wenn er in Psalm 139, 23+24 sagt:

"Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre wie ichs meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege."

Er weiß, er kann sich nur bis zu einer gewissen Grenze selbst erkennen. Deshalb wendet er sich an seinen Gott: Erforsche mich, prüfe mich, wie ich's eigentlich meine und führe mich zur geistlich-seelischen Gesundheit.

Wir sind dem Unbewussten nicht hilflos ausgeliefert. Da nichts verloren geht, die Einflüsse, die wir an uns heranlassen, unser Ich, unsere Persönlichkeitsformen, haben wir die Möglichkeit, durch Training neuer Verhaltensweisen, z.B. durch Üben von Gelassenheit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit an unserer Persönlichkeit zu arbeiten. Wir können eine gewisse Auswahl der Einflüsse vornehmen, denen wir uns aussetzen. Aus diesem Gedanken heraus entwickelten Alkoholkranke ein

"Just for today-Programm".

Sie empfahlen z.B.: Heute etwas zu lesen, was Mühe macht, heute eine positive Tat zu vollziehen, die man eigentlich nicht mag, heute eine bestimmte Zeit zu nehmen, um über sich nachzudenken, heute keinen anderen zu kritisieren, nur sich selbst. usw.

Es wird uns ein reichlicher Erlebniskonsum angeboten. Was lassen wir an uns herankommen, womit beschäftigen wir uns, wie gestalten wir unsere Freizeit, was lesen wir, was hören wir? Treffen wir darin eine Auswahl? Bemühen wir uns um unsere Persönlichkeitsgesundung?

Als wirksamste Methode der Persönlichkeitsarbeit hat sich die Gruppenarbeit mit ihren verschiedenen Formen erwiesen. Der häufig in Isolation und auf der Flucht befindliche kontaktgestörte Alkoholkranke fühlt sich in der Gruppe von Gleichkranken akzeptiert, verstanden, und er gewinnt Mut zur Beitragsleistung. Der bisher Verstoßene findet einen Platz, ohne Ablehnung fürchten zu müssen, er kann sich freisprechen, ohne abgewertet zu werden.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe entspricht einem Bedürfnis des Menschen, der die Mehrzahl seiner Probleme hinsichtlich der Lebensführung durch Verbindung mit Gruppen löst. Fundamentale Bedürfnisse wie Sicherheit, Kommunikation, Zusammenarbeit und Anerkennung können nur in der Gruppe gepflegt werden und befriedigt werden.

Die Gruppe ist ein dynamisches Gebilde, in dem sich ständig Wechselbeziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern vollziehen. Sie gründen sich auf Äußerungen, Verhaltensweisen, Interessen, Bedürfnissen, Haltungen und Gefühlen der Gruppenmitglieder. Der Einzelne wird in seinen Anschauungen, seinem Verhalten, seinen Entscheidungen, seiner inneren Einstellung, seinen Gefühlen und Wertungen von den ihn umgebenden Menschen in immer wechselnder Weise beeinflusst.

Gruppen zeigen sich auch als geeignetes Übungsfeld für soziales Verhalten, sie stellen somit ein wertvolles erzieherisches Potential zur Persönlichkeitsreifung dar. Diese wird in den Gruppen besonders gefördert, deren Arbeit an persönlichkeitsaufbauenden Programmen orientiert ist.

Nach meiner Erfahrung zeigen sich die Programme besonders wirksam, die nicht nur auf die soziale uns seelische, sondern vor allem auf die geistig-spirituelle Gesundung zielen, die etwas von dem Zubodenschlagen des Apostel Paulus und dem sich Ausliefern an Gott wissen oder wie es die Anonymen Alkoholiker in ihrer Sprache ausdrücken: Wir haben zugegeben, daß wir dem Alkohol machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten und wir gelangten zu der Überzeugung, ....

.... daß nur eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.

Diese Herausforderung, dieser Angriff auf das raum-zeitlich beschränkte Ich ist wohl der bedeutsamste therapeutische Vollzug, den ein Mensch je leisten kann. Er bedeutet den völligen Zusammenbruch unseres weltbezogenen Ichs, das unserer Gesundung ja immer so im Wege steht, er bedeutet die Aufgabe aller unserer Abwehrmechanismen und Widerstände. Er ist der bedeutungsvolle Akt, den der Analytiker Tiebout "surrender" nannte. Dieses sich Ergeben, das aufgeblasene Ich wird auf seine normale Größe zurückgeführt, es ist das Zubodenschlagen, des Apostels Paulus. Dieses Surrender ist die totale, auch die Tiefen des Unbewussten auslotende Einsicht: Ich, so wie ich jetzt lebe, kann ich nicht mehr weiterleben. Ich bin am Ende, ich habe verloren, ich kann nicht mehr so weiterexistieren, es muss sich etwas ändern, es muss ein Wandel eintreten.

Surrender ist der Augenblick, in dem der alte Adam sich anschickt zu sterben. So sagt ein alter Volksspruch: Wer nicht stirbt, ehe er stirbt,  der verdirbt, wenn er stirbt. Wir kennen andere Formulierungen: "Wer sein Leben behalten will, der wird es verlieren." Surrender ist die Voraussetzung für jede Form der Wandlung, der Bekehrung im echten Sinne. Surrender erfordert höchste Aktivität, es ist das Gegenteil von sich Aufgeben, sich gehen lassen. Es ist das Ja-Sagen zum Unabänderlichen. Surrender öffnet das Tor zur Persönlichkeitsreifung.

Auf dem Wege der Persönlichkeitsreifung in der Gruppe lassen sich Entwicklungsstufe beobachten. Es kommt zur Katharsis. Katharsis bedeutet, sich vom Erlebten und vom Erlittenen freizusprechen. Wer sich erkennen will, der muss zuerst bekennen, muss Wahrheit über sein Leben aussagen. Mitgeteilte Fehler verlieren von ihrer krankmachenden Kraft.

Wer Geheimnisse in sich trägt, bleibt isoliert. Es ist somit heilsam, Seelenmüll abzuladen. Wir erinnern uns dabei an das alte Wort in Jakobus 5, 16:

"Bekenne einer dem anderen seine Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet."

Die Gruppe vermittelt das Erlebnis des Angenommenwerdens. Neulinge in der Gruppe erwarten nach ihrem Bekennen nicht selten Verurteilung, Verachtung und Abwertung und es kann zu dem tief greifenden Erlebnis des Angenommenwerden kommen und zu der Erkenntnis: Ich bin nicht allein, die anderen auch, man nimmt mich an, wie ich bin, man beurteilt mich helfend, aber man verurteilt mich nicht. Fremdannahme und Selbstannahme haben etwas Gemeinsames. Die Toleranz, die wir anderen schenken, wirkt auf uns selbst zurück. Gruppen sind Hochschulen für Toleranz.

Die Gruppe führt zu Einsichten, die durch die gemeinsame Deutungsarbeit erwächst, sie erleichtert Wahrnehmungskorrekturen sowie die Korrektur des Selbstbildnisses. Langgeübte Abwehrmechanismen, z.B. Verleugnen, Resignieren, das Projizieren von Fehlern in andere, werden erkannt und abgebaut. Durch die Vielgestaltigkeit der Charaktere ist der Realitätsspiegel in der Gruppe meist sehr hoch. Die Gruppenrealität ist meistens eine hervorragende Vorschule für die Lebensrealität. In der Gruppe haben wir Gelegenheit, die Vielzahl von menschlichen Reaktionen, Gedanken, Gefühlen und Lebenskonstellationen zu beobachten. Wir lernen die Spielarten unseres Menschseins, aber vor allem auch uns und unsere eigenen Spielarten deutlicher sehen. So haben z.B. Patienten, die sich hässlich schilderten, durch die Gruppe erfahren, daß sie ganz anders aussehen, vermeintliche Versager entdeckten ihre Leistungsfähigkeit, aber auch vermeintliche Gute mussten durch die Gruppe erfahren, daß sie mitunter unerträglich sein können. Durch die Gruppe kommt es somit zur Aufgabe von Illusionen über sich selbst und damit zur realistischeren Selbstbeurteilung der Schwächen wie der Vorteile. Die Gruppe kann zur Redlichkeit gegen sich selbst sowie zum maßvollen Denken und Urteilen erziehen.

Die Gruppe führt zur Wandlung. Das. ist ein Prozess, der nicht plötzlich, sondern in tausend kleinen Schritten erfolgt und Reife vermittelt. So erfahren wir als Ergebnis der Gruppenarbeit über die Entwicklungsstufen Katharsis, Einsicht und Wandlung die Reifung unserer Persönlichkeit und damit unsere seelische Gesundung:

Unser eingangs erwähnter Freund, der nach einigen Monaten wieder rückfällig wurde, hatte sich lediglich mit dem Wissen über seine Alkoholkrankheit begnügt und geglaubt, damit seine Gesundheit zu erreichen. Er hatte übersehen, daß er seelisch krank geworden war, daß die Krankheit seine Optik verändert hatte, sich und andere real zu sehen. Diese veränderte Optik ließ ihn sich falsch einschätzen. Sein Rückfall begann nicht mit dem Trinken des ersten Glases, sondern mit seiner eigenen Fehleinschätzung.

Es sind einige wenige Erlebnisse, die mir halfen, mein früheres Bild über den Alkoholiker zu korrigieren, ihn zu schätzen, und ich darf es auch einmal deutlich sagen, ihn zu lieben. Zu ihnen gehört die Begegnung mit Ed. Viele seiner Haltungen wünschte ich mir, ich besitze sie jedoch noch nicht. Ed ist Alkoholiker. Als Amerikaner kam er im Rahmen der Besatzungsmacht vor nunmehr 11 Jahren nach Berlin. Er hatte damals bereits 11 Jahre Abstand vom Alkohol. Wie würden Sie sich verhalten, wenn Sie nach 11 Jahren Abstinenz in ein fremdes Land, in eine fremde Stadt kämen. Dieser Ed unternahm etwas für mich Ungewöhnliches. Da er in USA eine rege Gruppenarbeit mitgemacht hatte und da es in Berlin keine solche ihm vertraute Gruppe gab, suchte er einen Alkoholiker.

Was mich nun noch sehr verwunderte. Er suchte sich einen, den wir Ärzte als einen so genannten Hoffnungslosen angesehen hatten, und er sagte ihm etwas, was wir Ärzte ihm nicht gesagt hätten. Er sagte ihm:

"Ich möchte dein Freund sein, du bist etwas wert, und ich brauche dich."

Sah Ed denn nicht die schmutzigen Kleider, die Unordnung, den abgebauten Mann? Heute weiß ich, daß Ed viel mehr sah als das, was ich damals als Arzt hätte sehen können. Was wir nicht für möglich gehalten hatten, trat ein, unser Berliner hörte auf zu trinken. Er und Ed bildeten den Anfang einer Gruppe, in der sie sich ganz offen über ihr Verhalten und Erleben aussprachen. Der Alkohol hatte unseren Berliner Freund schon schwer geschädigt, sein Denken hellte sich sehr langsam auf. Zwei Jahre später wollte unser Berliner heiraten, und er bat Ed, Trauzeuge zu sein, zumal er einen so schönen großen amerikanischen Wagen habe. Um 7°°Uhr solle er ihn aus seiner Wohnung abholen. Ed sagte zu, ohne die deutschen Verhältnisse genau zu kennen. Als Ed pünktlich um 7°°Uhr vor der Haustür stand, fand er sie verschlossen, nach längerem Klingeln öffnete unser Berliner im Nachthemd das Fenster und zeigte sich sehr ungehalten, so früh geweckt worden zu sein. Ed sagte nur: Komm bitte herunter und öffne mir die Tür. Unser Berliner warf sich einen Mantel über, und als er die Tür öffnete, kam Ed auf ihn zu, gab ihm die Hand und sagte ihm mit aller Aufrichtigkeit:

Ich bin dir so dankbar, daß ich an dir Gelassenheit üben kann, die fehlt mir noch so. -

Echte Persönlichkeitsarbeit. Dieser Ed war kein anderer als der amerikanische Vizekonsul, ein Mann, der trotz seiner Stellung wusste: Ich brauche die Gruppe für meine Reifung.

Für viele von Ihnen ist hier in der Moorpension der Anfang eines neuen Lebens gelegt worden. Sind Sie dabei stehen geblieben oder durften Sie weitergehen, um das Geschenk eines nüchternen Lebens, das Geschenk der Selbstverfügbarkeit ganz nutzen zu können? Wie ich mich frage, so möchte ich auch Sie  fragen: Wie steht es mit unserem Reifungsprozess?

Nur einige Fragen und wir mögen für uns eine ehrliche Antwort finden:

·         Kannst du schon in deinem Leben einen Sinn erkennen?

Meine Damen und Herren, wir alle benötigen Persönlichkeitsarbeit. Sie, meine alkoholkranken Freunde, haben vor uns eine besondere Chance. Wir können u.U. auch ohne  Arbeit an uns durch das Leben trotteln und es vertrotteln. Sie aber haben die dringende Notwendigkeit der Persönlichkeitsarbeit und damit die größere Aussicht, ein bewussteres, inhaltsreicheres und damit erfülltes Leben zu führen.