ACHTER UND NEUNTER SCHRITT

Machten eine Liste aller Personen, denen wir geschadet hatten, und wurden willig, bei ihnen allen Wiedergutmachung zu leisten.
Leisteten direkte Wiedergutmachung bei solchen Menschen, wo immer es möglich war, außer wenn solch ein Vorgehen sie oder andere verletzen würde.

Das Ziel der Schritte Acht und Neun besteht darin, eine wirksame Vorgehensweise zu vorzubereiten und anzuwenden, die geeignet ist, Schäden oder Verletzungen, die andere durch uns oder unserer Trinkerei erlitten haben, direkt zu beheben. Denn so können wir anfangen, in eine harmonische Beziehung zu Gott und unseren Mitmenschen zu treten.

Die Anwendung der Philosophie von Alkoholics Anonymous erfüllt diese Voraussetzungen in angemessener Weise. Sie hat sich als Lebensweg erwiesen, auf dem der Alkoholiker Fehler der Vergangenheit korrigiert und an seinen Verwandten, Freunden und Feinden Wiedergutmachung leistet. Während dies geschieht, bewirkt er seine Genesung von den verheerenden körperlichen, psychischen und spirituellen Folgen des Alkoholismus.

Viele Alkoholiker nicken anerkennend, wenn sie sehen, daß unsere Philosophie absolut wirksam ist - bei anderen. Doch ihnen selbst mißlingt es, Nutzen daraus zu ziehen, weil sie ihre Alkoholkrankheit nicht richtig eingeschätzt haben. Da sie nicht glauben wollen, daß sie süchtig sind, sehen sie auch keinerlei Anlaß dafür, Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, gesund zu werden. Vorbehalte hinsichtlich ihrer spirituellen Krankheit rufen Gleichgültigkeit hervor, Wiedergutmachung geht ihnen am Arsch vorbei. Sie geben von Natur aus nur das zu, was man ihnen nachweist und denken nicht im Traum an Schadensersatz, schon gar nicht freiwillig. Süchtige sind Egoisten. Die denken gar nicht an Dank. Dankbarkeit für unser wiedergeschenktes Leben sollte aber das treibende Motiv bei der Wiedergutmachung sein, sonst macht es keinen Spaß. Unser Todesurteil stand schon fest. In letzter Minute sind wir begnadigt worden. Und jetzt geben wir freudig einen aus. Früher schmissen wir Runde auf Runde. .Jetzt drehen wir, wie damals Dr. Bob, die Runde bei unseren Gläubigem, Opfern und Feinden. Vielleicht haben wir nicht viel, aber was wir haben, geben wir gern. So kommen wir mit den Mitmenschen wieder in Ordnung. Lippenbekenntnisse "Ja, irgendwie lebe ich ja auch im Programm", helfen da nicht weiter.

Mitglieder bringen ihren Alkoholismus nicht zum Stillstand und erreichen keine Genesung, indem sie den Prinzipien der AA-Philosophie lediglich zustimmen oder das AA-Programm für wichtig und richtig halten - sie werden nur dann gesund. wenn sie auch danach leben.

Diese Schritte wirken nur in Verbindung miteinander. Man kann nicht den einen oder anderen weglassen, ohne die Wirkung zu verwässern. Wir haben seit dem vierten Schritt eine Liste von den Menschen, die wir geschädigt haben, wir haben eine Groll-Liste, und wir haben eine Liste unserer finanziellen Verpflichtungen. Die wenigsten von uns merken, daß unser eigener Name oben in der Kopfzeile der Liste stehen sollte, denen wir Unrecht getan haben. Es ist schließlich unsere Inventur, nicht die der anderen. Wir müssen aufhören mit Selbsthaß und Selbstzerstörung und vor allem bei unserem Körper, den wir stiefmütterlich behandelten, an unserem verwirrten Kopf und hinsichtlich unserer schwierigen, spirituellen Verfassung wiedergutmachen, was wir angerichtet haben.

Es ist gar nicht so schwierig, die Leute aufzulisten, die unter uns und unserer Trinkerei gelitten haben. Unser eigentliches Problem besteht darin, einen Bewußtseinszustand zu erreichen, der das Eingeständnis des Schadens, den wir angerichtet haben und eine aufrichtige Bereitwilligkeit, ihn wiedergutzumachen, mit einschließt.

Der Neunte Schritt ist nicht leicht und läßt sich nicht auf die Schnelle durchführen. Die Wiedergutmachung Gott und uns selbst gegenüber beginnt damit, daß wir das AA-Programm als Lebensweg akzeptieren. Dieser Art Wiedergutmachung ist in ihrer Wirksamkeit jedoch sehr begrenzt. Es ist ein Irrweg, sich etwa darauf beschränken zu wollen, regelmäßig Meetings zu besuchen und zu meinen die Wiedergutmachung erledige sich damit irgendwie automatisch. Denn erst nachdem wir uns mehrere Monate bei AA eingelebt und unsere Nüchternheit mit guten Grundkenntnissen des Programms untermauert haben, gewinnen wir hinreichend spirituellen Mut und Einsicht. Und so lange sollten wir nicht warten, um vorsichtige Entschädigungsversuche zu unternehmen.

Jedes Mitglied steht bei der Befolgung dieses Schrittes vielen Behinderungen gegenüber. Wir finden, daß für manche Mitglieder ihr Zögern und Zaudern das größte Hindernis darstellt. Wir sollten vermeiden, alles auf die lange Bank zu schieben.

Andere wiederum sind zu anspruchsvoll beim Wiederaufbau; sie versuchen, alles auf einmal zu bewältigen. Mach' dich darauf gefaßt, daß es in den meisten Fällen ein ganzes Leben erfordern wird, den Neunten Schritt zu vervollständigen. In ihrer Begeisterung über die neue Persönlichkeit, die zum Vorschein kommt, werden manche Mitglieder so rührselig, daß sie ohne Überlegung handeln. Ihr hastiges Vorgehen ist zum Scheitern verurteilt. Stolz ist eine weitere Barriere. Unklarheit über die richtige Auslegung des Zieles im Neunten Schritt ist ebenfalls ein weitverbreitetes Handicap.

Wenn wir unsicher sind, können wir ältere Mitglieder die bereits alle Schritte erfolgreich durchlaufen haben, um Rat fragen. Sie werden uns jederzeit helfen. Handle nicht hastig oder solange du im Zweifel bist. Frage sie nach ihren Erfahrungen. Dann formuliere einen Aktionsplan und fange mit Gottes Hilfe an, deine Fehler zu berichtigen.

Da gibt es zunächst den Schadensersatz, den wir täglich für Gott leisten müssen. Das geschieht automatisch durch die Anforderungen in jedem einzelnen der Zwölf Schritte. Wir durchlaufen die ersten neun der Reihenfolge nach und wenden die übrigen täglich zur Aufrechterhaltung unserer Genesung an. Das AA-Programm ist eigentlich eine einzige große Wiedergutmachung, die in zwölf Stufen unterteilt ist.

Bevor wir den Schaden, den wir anderen Menschen zugefügt haben, bereinigen können, müssen wir erst die Quelle der moralischen und körperlichen Verwahrlosung in uns selbst beseitigen.

Bei der Wiedergutmachung sind Meditation und Gebet notwendig. Wir sollten niemals Wiedergutmachung leisten, ohne ein Gebet vorauszuschicken, sonst wird sie ohne jeden tieferen Sinn und völlig wirkungslos sein. Bei der Wiedergutmachung wird eine bewußte Verbindung mit Gott nicht nur ein befriedigendes Resultat bewirken, sondern sie wird uns auch davor bewahren, unechte "Wiedergutmachung" zu leisten, die andere Menschen verletzt. In diesem Zusammenhang ist Besonnenheit unbedingt erforderlich.

Unsere geistigen und körperlichen Aktivitäten werden nun durch Gottes Gegenwart in unserem Leben verändert und veredelt. Sie schenkt uns die Demut, die wir brauchen, um Wiedergutmachung zu leisten und den Ansporn, um zur Sache zu  kommen. Wir sind dabei, zu versuchen, unser Leben in Ordnung zu bringen. Wir tun dies durch größtmöglichen Dienst für Gott und die Menschen in unserer Nähe.

Jetzt stellt sich die Frage: Welche Namen gehören auf unsere Liste? Wie packen wir die Wiedergutmachung für diese Menschen an? Welcher Handlungsweise folgen wir?

Unsere Antworten auf diese Fragen finden wir im Rahmen der Erörterung des Achten und Neunten Schrittes im sechsten Kapitel von Alcoholics Anonymous.

Die folgende Zusammenfassung bestimmter Ratschläge aus diesen Seiten ist unvollständig und muß von jedem Mitglied bei der Anwendung nach seinem speziellen Bedarf ergänzt werden.

Wir halten es für unmöglich, diesem vielschichtigen Thema in seiner Gesamtheit allein durch das Lesen eines Buches gerecht zu werden. Als Leitfaden haben wir jedoch ein paar Vorschläge und Beispiele aufgeführt. Unsere Zusammenstellung unterscheidet zwischen vier verschiedenen Personengruppen, an denen Wiedergutmachung zu leisten ist. Außerdem geht sie auf einen fünften Personenkreis von Menschen ein, die nicht in jedem Fall auf die Liste gehören, dafür jedoch in Betracht gezogen werden müssen, wenn unsere tagtägliche Nüchternheit sichergestellt bleiben soll.

Gruppe Eins: Freunde

Dieser Personenkreis umfaßt unsere engen Freunde, unsere Geschäftsfreunde und Arbeitskollegen, diejenigen Menschen, denen wir eigentlich wohlgesonnen sind, zu denen wir jedoch die Beziehungen aufgrund von Groll, Stolz oder eingebildetes Unrecht abgebrochen haben, diejenigen, die wir ungerecht behandelt haben, die jedoch (abgesehen von herben Worten oder idiotischem Benehmen) nicht weiter geschädigt worden sind und diejenigen, denen wir nicht finanziell verschuldet sind.

Wir sollten in aller Aufrichtigkeit an diese Leute herantreten. Unser Annäherungsversuch ist ruhig, freimütig und offen. Wir wollen diese Leute von unseren guten Vorsätzen überzeugen und ihnen versichern, daß es uns leid tut, wie wir sie behandelten.

Wir erklären unsere Alkoholsucht, und daß wir uns Groll oder Haß, um einer stabilen Nüchternheit willen, nicht mehr leisten können. Wir stellen in groben Zügen unsere guten Vorsätze dar und bitten um Vergebung und Kooperationsbereitschaft im zukünftigen Umgang. Unser Ziel ist, Wohlwollen ins Leben zu rufen und die Freundschaft wiederzubeleben.

Wir vermeiden es, den Eindruck zu erwecken, wir seien religiöse Fanatiker, doch wir weichen dem spirituellen Thema weder aus, noch leugnen wir Gott, wenn die Sprache darauf kommt.

Bei denjenigen Menschen, denen eine kürzlich erfolgte Kränkung noch am Herzen nagt, unternehmen .wir keinen solchen Wiedergutmachungsversuche. Niemals erbringen wir irgendeine Wiedergutmachung, die einer anderen Person schaden würde.

Es wird einige wenige Fälle geben, wo unser Vorgehen zurückgewiesen wird. Wenn es uns nicht gelingt, eine Versöhnung einzuleiten, und wir weiterhin deutlich unerwünscht bleiben, lassen wir die Angelegenheit einfach der Hoffnung fallen, daß unsere Nüchternheit und der zukünftige Umgang gelegentlich den Bruch in der Beziehung reparieren werden. .

Die Hauptsache ist, im Kopf zu behalten, daß wir aufgebrochen sind, um dankbar eine selbstverständliche Pflicht zu erfüllen. Wir lassen uns daher durch einen schroffen oder unfreundlichen Empfang nicht verärgern oder entmutigen. verärgern oder entmutigen. Unser Besuch erfolgt in harmonischer Absicht, und wir wollen auf gar keinen Fall in ärgerlicher oder nachtragender Stimmung davonziehen.

Gruppe Zwei: Familienangehörige

Zu diesem Personenkreis gehören all die Menschen, die wir in unseren Familien finden. Die hervorragendsten Beispiele sind die Frauen von Alkoholikern. Danach kommen die Mütter, Väter, Söhne, Töchter und die entfernteren Angehörigen deren Leben wir "wegen unserer selbstsüchtigen und rücksichtslosen Gewohnheiten in Aufruhr gehalten haben".

Wir waren "wie ein Tornado, der heulend seinen Weg durch das Leben von anderen nimmt", brachen Herzen entzwei und töteten "liebevolle Beziehungen" ab.  Der Schaden, den wir dieser Personengruppe zugefügt haben, erstreckt sich über viele Jahre. Es wird lange Jahre dauern, ihn wieder gutzumachen bis die seelischen Wunden verheilt sind.

Die Art unserer Annäherungsversuche dürfte keine Frage sein, es sei denn, wir haben die Beziehungen abgebrochen, und eine Trennung macht Wiedergutmachung unmöglich. Sogar dann werden wir aus einem programmgemäßen Leben Nutzen ziehen, denn die Geschädigten erfahren von unserer Nüchternheit meistens durch den "Familien-Buschfunk". Es erfordert vielleicht etwas Zeit, um Versöhnliches zu bewirken, doch im allgemeinen erfolgt eine zufriedenstellende Schlichtung. Oft ist das durch Briefe abgewickelt worden. Der direkte Kontakt ist jedoch in jedem Fall vorzuziehen, wo immer das möglich ist.

Wenn das Familienleben noch einigermaßen intakt ist, nehmen die Angehörigen den Wunsch des Alkoholikers, seine Krankheit zu behandeln, meistens wahr und unterlassen es nur selten, ihn in seinem Ziel zu bestärken.

Es ist wichtig, daß auch sie Alcoholics Anonymous lesen, damit sie Einsicht in den Alkoholismus gewinnen und unser Genesungsprogramm in groben Zügen, besonders aber die Schritte verstehen lernen. Jedes neue Mitglied braucht möglichst das volle Verständnis und die Mitwirkung seiner Familie. Der Alkoholiker leistet seine Wiedergutmachung dann gründlicher, und sie fällt ihm leichter, wenn die Familie begreift, was er zu tun versucht.

Unsere Nüchternheit ist ein Segen für die Menschen aus dem zweiten Personenkreis. In der Regel ist es die größte Wiedergutmachungsleistung, die wir für sie erbringen können, sie ist jedoch nur ein Teil der ganzen Aktion, in deren Verlauf weitere freundliche und wohlbedachte Taten folgen müssen.  Trockenheit allein ist nicht genug. Im Gegenteil. Manche Familie ist erst durch das unerträgliche Benehmen des rücksichtslosen nur-trockenen-Alkoholikers zerbrochen. Wir müssen der ganzen Familie gegenüber aufmerksam und rücksichtsvoll sein. Harmonie und Zusammenarbeit sollten hergestellt werden. Liebesbeweise, kleine Aufmerksamkeiten und der Wunsch, sich ihrer Achtung würdig zu erweisen, werden sich dabei als äußerst hilfreich erweisen. Nicht wiedergutzumachender Schaden ist nicht ungewöhnlich. Wenn wir dem gegenüberstehen, kann er nur dadurch ausgeglichen werden, daß wir unsere Bereitwilligkeit, den Zustand so weit wie möglich zu verbessern, deutlich zum Ausdruck bringen. In Angelegenheiten, wo finanzieller und anderer praktischer Schadensersatz möglich ist, verlieren wir keinerlei Zeit.

Probleme, die mit Sex zu tun haben, machen bei vielen Alkoholikern das Leben kompliziert. Bei ihrer Behandlung erwägen wir zuerst, wie wir das Übel an der Wurzel packen. Ehrlichkeit ist der wichtigste Faktor im Leben all unserer Mitglieder, und sie läßt keinen Raum für Ehebruch.

Bei der Klärung unserer Sexualprobleme müssen wir bedenken, daß andere verletzt werden könnten. Wenn Wiedergutmachung angebracht ist, behandeln wir die Situation mit äußerstem Taktgefühl. Wenn Eifersucht aufkommt, kann unser Genesungsprozeß dadurch stark behindert werden. Wir müssen uns auf Fairneß, Meditation und Gebet verlassen. Wir legen die Angelegenheit in Gottes Hände und lassen uns dann durch das Gebot Seines Willens und unser Gewissen führen.

Gruppe Drei: Gläubiger

"Wir weichen unseren Gläubigern nicht aus."  Die Gläubiger wissen meist über unser Trinken Bescheid. Wenn nicht, sollten wir unsere Karten offen auf den Tisch legen. Wenn eine Rückzahlung unmöglich ist, treffen wir die beste Übereinkunft, die möglich ist. Die Rückzahlung kann zu einem späteren Zeitpunkt beginnen. Oder wir beginnen mit kleinen Zahlungen und erhöhen die Beträge, wenn wir finanziell fester im Sattel sitzen. Der Leitgedanke ist, zu einer Einigung zu kommen. Wir müssen uns in diesem Zusammenhang wohl fühlen, andernfalls kann uns die Angst zurück zur Flasche treiben. Wenn die Gläubiger die Natur unserer Alkoholkrankheit verstehen, werden sie ohne weiteres einsehen, daß kein Geld zurückgezahlt werden kann, wenn wir nicht nüchtern bleiben; sie werden dann eher gewillt sein, auf unsere Vorschläge einzugehen.

Gruppe Vier: Die Verstorbenen

Der Schaden, den wir bei verstorbenen Angehörigen oder Freunden angerichtet haben, ist häufig die Ursache für Selbstverdammung. Das sollte jedoch nicht so sein, denn das ist ein schädlicher Vorgang. Wir behandeln Selbstverurteilung mit einsichtsvollem Gebet.

Wir müssen einsehen, wie nutzlos es ist, sich selbst wegen eines Unrechts zu quälen, das sich nicht wiedergutmachen läßt. Der Weise empfindet kein Leid wegen des Unabänderlichen. Wir lassen es nicht zu, daß die Irrtümer der Vergangenheit unsere Nützlichkeit in Zukunft behindern. Wir überlegen uns, daß der Schaden der Vergangenheit durch die neue Philosophie, nach der wir leben, zum Teil ausgeglichen wird, obwohl sich die Verstorbenen nicht mehr erreichen lassen, können wir an den noch Lebenden umso mehr Wiedergutmachung bewirken. Wenn das unmöglich sein sollte, suchen wir im Gebet bei Gott Zuflucht und bitten ihn, die Bereitwilligkeit in unserem Herzen zu sehen, uns in Zusammenhang mit diesen Menschen zu vergeben und uns eine angemessene Ausgleichshandlung zu zeigen. So manchem hat es in solchen Fällen das Gewissen erleichtert, wenn er ein persönliches Opfer für einen guten Zweck brachte.

Alkoholismus ist unsere Krankheit. Sie verursachte Verletzungen, die wir unseren Familien, Freunden und den geliebten Menschen, die verstorben sind, aufgebürdet haben. Es ist keine Schande, krank zu sein. Die Krankheit war verantwortlich für unsere geschwächte körperliche Verfassung; sie hat unser irrationales Denken, unser wahnsinniges Verhalten und unsere spirituelle Krankheit bewirkt. Genesen heißt, die Verantwortung für uns wieder selbst zu übernehmen.

An dem menschlichen Wesen, das wir waren bevor unser Alkoholismus zum Ausbruch kam, leisten wir die Wiedergutmachung indem wir

-          unsere Sucht verstehen lernen,

-          unsere Charakterfehler beleuchten,

-          sie aus unserem Leben verschwinden lassen,

-          unseren Körper vernünftig versorgen,

-          unsere psychischen Funktionen durch Nüchternheit wiederherstellen und

-          unsere spirituelle Krankheit durch Rückkehr zur Einsicht und Ausführung von Gottes Willen behandeln.

Die Genesung des Alkoholikers wird durch die Wiedergutmachung bedingt, und zwar solange er oder sie lebt.

Wir neigen oft dazu, unsere Liste mit geringfügigen Missetaten vollzustopfen, die längst vergessen und überhaupt nicht wichtig sind. Diese Art von "Wiedergutmachung" bleibt schier endlos; sie sollte vernachlässigt werden, denn sie ist oft ein Ablenkungsmanöver des immer noch kranken Alkoholikerhirns von den wirklich schlimmen und wiedergutzumachenden Schulden. Hier sind Gebet und die Hilfe des erfahrenen Sponsors gefragt. um die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht Selbstbetrug oder fauler Nachlässigkeit zu erliegen. Viele von uns waren bei manchen Dingen unsicher, ob es wirklich ratsam ist, sie wiedergutzumachen. Der Maßstab für solche Fälle ist unser Gewissen; wenn uns das Unrecht quält, sollte es zweifellos wiedergutgemacht werden.

Der Neunte Schritt hat viele zerbrochene Freundschaften wiederbelebt; er brachte Frieden und Glück in das Leben derjenigen Menschen, die wegen unseres Alkoholismus litten. So wie eine Abreiß-Birne die Reste der alten Ruine beseitigt. wenn ein neues Gebäude ihre Stelle einnehmen soll, so hat die großartige Wiederherstellungskraft [rehabilitation power} des Neunten Schritts das Leben Tausender Alkoholiker durch Abriß und Neubau umgewandelt, nämlich mittels des spirituellen Wieder-)Erwachens, das sie dabei erlebten. Aufgrund dieses Schrittes erlebten all diese Alkoholiker, wie sie ihre Selbstachtung wiedergewannen, Mut und Vertrauen fanden und Verantwortung übernahmen. Sie spüren Gottes Gegenwart und mit seiner Anwesenheit kommt die Erkenntnis, daß ihr Leben wieder zu meistern ist.

Das Big Book sagt: "Wir sind in eine Welt des Geistes eingetreten ... Unsere Parole heißt jetzt Liebe und Toleranz. Wir haben aufgehört, gegen alles und jeden zu kämpfen - selbst gegen den Alkohol. Denn inzwischen haben wir unsere geistige Gesundheit wieder erlangt. Nur noch selten denken wir an Alkohol. Wenn das Glas in Reichweite ist, schrecken wir davor zurück, wie vor einer heißen Flamme. Das ist eine gesunde und normale Reaktion ... Es ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Es ist ein 'Wunder."

ZUSAMMENFASSUNG: Wir können die Wichtigkeit der Wiedergutmachung nicht hoch genug einschätzen. Die meisten von uns unterschätzen ihre Fähigkeiten, ihre Haltung gegenüber Gott, ihren Mitmenschen und den täglichen Umständen des nüchternen Lebens zu verändern.

Unsere Bemühung um eine neue Lebensfrist, um Toleranz und Vergebung, die wir von anderen erwarten, sollte uns dazu veranlassen, mit Toleranz, Vergebung und Wiedergutmachung zu antworten. "Leben und leben lassen." - Das lehrt uns AA, und es dient dem Schutz unserer Nüchternheit.

Eine nachtragende Haltung und Groll gegenüber anderen würden unsere Genesung zunichtemachen. Wir berichtigen diese Haltung im Neunten Schritt. Wiedergutmachung wandelt unsere Persönlichkeits-Struktur und vervollständigt sie durch harmonische, hilfreiche Beziehungen - zu Gott und zu den menschlichen Opfern unserer wahnsinnigen, alkoholsüchtigen Besessenheit. Wir können nicht hassen und gleichzeitig Wiedergutmachung leisten.

Fehler einzugestehen und zu berichtigen ist ein Prozeß der Regenerierung, der für unsere Genesung notwendig ist. Er bringt uns spirituelle Einsicht und entwickelt unsere spirituelle Stärke, und das trägt Frucht: zufriedene Nüchternheit.

Die Zwölf Schritte sind eine einzige große Wiedergutmachung, die wir für Gott und uns selber leisten. Das verlangt die Selbsterhaltung. Wir bezahlen unsere Gläubiger. Wir kommen mit Gott ins Reine und leisten bei treuen Feinden, Freunden und Angehörigen Wiedergutmachung, außer wenn solch ein Vorgehen für sie oder andere schädlich sein könnte.

Vorbehalt und Widerwille sind Haltungen, die für uns gefährlich sind. Sie erfüllen uns mit Unzufriedenheit und Streitsucht, und das Ergebnis wird Trunkenheit sein.

Wir versuchen, unser Leben in Ordnung zu bringen. Wir tun dies durch die größtmögliche Dienstbereitschaft für Gott und die Menschen in unserem Umfeld. Wir glauben, das ist das Ziel des Achten und Neunten Schrittes.

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