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Came to believe that a Power greater than ourselves could restore us to sanity.

Wir kamen zu dem Glauben, daß eine Macht, größer als wir selbst. uns unsere [geistige] Gesundheit wiedergeben kann.

Der zweite Schritt stellt das zweite Bein unseres "Genesungshockers" dar. Wird dieses Bein eingefügt, so ist er zwar noch immer unvollständig, aber er wird stehen, wenn er an etwas Stabileres - an etwas Stärkeres als er selbst - angelehnt wird.

So wie der Hocker brauchen auch Neulinge in AA etwas Verläßlicheres als die falschen Versprechungen von König Alkohol, um sich daran festzuhalten. Wie ein Diabetiker sein Insulin nehmen oder sterben muß, so brauchen wir eine Kraft, die größer ist als unsere eigene, damit unser widersinniges Trinkverhalten korrigiert wird. Erinnerst du dich, wie oft du betrunken Unsinn angestellt hast, bis hin zu wirklichen Wahnsinnstaten?

Nachdem wir diese Krise in unserem Leben erreicht haben, profitieren wir davon, wenn wir offen zugeben, daß wir die Hilfe einer ,,Higher Power", einer Höheren Macht bzw. Kraft brauchen. Entweder - oder! Ohne daß höhere Gewalt wirksam wird. trinken wir weiter. Sollen uns Eitelkeit und Voreingenommenheit etwa diese letzte Chance verderben, gesund und nüchtern zu leben? Warum sollten wir weiterhin die Weltrangliste der größten Dummköpfe anführen? Du weißt schon - solche, die aus den Erfahrungen der Vergangenheit nichts lernen.

Alkoholiker zeichnen sich dadurch aus, daß sie einen Fehler nach dem anderen machen und sich dann konsequent weigern, daraus zu lernen. Sie kommen am Ende bei dem, was das Leben lohnend macht, immer zu kurz weg - wie der Pechvogel in folgender Geschichte:

Ein Arbeiter bekam einen neuen Job im Sägewerk. Der Meister führte ihn zur Kreissäge, erklärte ihre Wirkungsweise und warnte ihn vor den Gefahren. Dann ging er weg. Alleingelassen und fasziniert von dem sich drehenden Sägeblatt wollte unser Freund mit dem Finger näher untersuchen, wie das funktioniert. Eine Sekunde später war der Finger ab geschnitten. Der Ärmste stieß einen Schmerzensschrei aus, und der Meister eilte herbei.

" Deine verdammte Säge hat meinen Finger abgeschnitten!" keuchte der Arbeiter. Besorgt fragte der Meister: " Was, zum Donnerwetter, hast du denn falsch gemacht?" - "Na, nichts. Ich weiß doch auch nicht. Ich hab' da nur mal so angefaßt und ... - Auuuuuh, jetzt hat 's den nächsten Finger erwischt!"

Es ist leicht, über diesen Arbeiter zu lachen. Aber wie oft haben wir denn schon Sachen wiederholt, von denen wir hätten wissen können, daß sie uns nicht gut tun? Einige haben sogar - im übertragenen Sinne ihren Kopf in die Säge gesteckt und so dem Wahnsinn des Trinkens ermöglicht, jegliche Hoffnung auf künftige Freiheit oder Glück zunichte zu machen.

Dies ist eine harte Sprache. Aber wir können dieses Symptom .. besoffenes Denken" gar nicht ernst genug nehmen. Seinem Wesen nach hat es stets zum Ziel: Trinken - koste es, was es wolle.

Ohne Rücksicht auf Folgen unserem zwanghaften Trinkverhalten zu frönen, um jeden Preis zu saufen, das ist auf die einfachste Formel gebracht: Säuferwahnsinn in Aktion.

Während wir Alkoholiker jedwedes Hindernis listig umgehen oder brutal plattwalzen. das uns bei der Gier nach dem nächsten Schluck in die Quere kommt, muß uns der Verstand stehengeblieben oder ganz abhanden gekommen sein!

Diese Besessenheit unterscheidet uns vom normalen Trinker, der durch Willenskraft aufhören kann. Wenn wir trinken, hakt es aus, völlig. Ja. das oberste Prinzip seelisch-geistiger Gesundheit, der Selbsterhaltungstrieb, der Wille zum Leben geht uns verloren, so daß wir Dinge tun, die uns umbringen werden. Darum steckt im Alkoholismus mit Sicherheit krankes Denken [mental illness] .

Denke an die schauerlichen Morgenstunden nach vorangegangenen Nächten. Erinnere dich an die grausamen, durchzitterten Stunden des Katzenjammers, die unser vermeintlich normales Trinken Lügen straften. Wie sie uns in kränkelnder Schwachheit, in Angst und Gewissensbissen gefangen hielten, bis unser Leben leer und hoffnungslos wurde und so instabil wie ein zweibeiniger Hocker.

In unserer Verzweiflung tranken wir noch mehr Alkohol, um unsere geschwächte Kraft aufzuputschen, während unsere Lieben dabeistanden und sich vergeblich bemühten zu helfen. Irgendwann hatten wir wieder genug Alkohol konsumiert, um das verdammte Zittern loszuwerden, wieder waren wir betrunken - und, gemessen an Otto Normalverbraucher, offensichtlich verrückt.

Krank und verzweifelt telefonierten wir nach einem Taxi. um uns Schnaps bringen zu lassen oder in eine Kneipe zu fahren. Und [obwohl wir merkten, daß es uns an die Substanz ging] versoffen wir in tragischer Zwanghaftigkeit weiterhin Gelder und Energien, die wir eigentlich schon gar nicht mehr besaßen. Stupide geworden. tranken wir uns erinnerungslos in einen neuen Tag hinein - in den nächsten Durchhänger.

Zu den Symptomen unseres kranken Denkens [mental iIIness] gehören solche Dinge wie
- der erste Schluck, der eine neue Sauftour auslöst
- unberechenbare Verhaltensweisen
- tiefer Groll
- Trinken aus Trotz
- Mangel an Selbstkritik und
- emotionale Labilität.

Füge zu dieser Liste noch unsere anderen "Macken" hinzu, und du findest weitere Symptome des kranken Denkens [mental illness]:
- Ängste, Phobien
- Wutanfalle, Jähzorn
- trocken besoffen sein [stinking thinking]
- Kritiksucht, negatives Denken
- Lügen und Halbwahrheiten
- Vergeßlichkeit und Filmrisse
- Klinikaufenthalte zur Entgiftung
- Selbstmordversuche
- Delirium Tremens [z.B. weiße Mäuse sehen, Stimmen hören, schmerzhafte Krampfanfälle]
- nicht zugeben, krank zu sein, Hilfe zu brauchen

Wir brauchen Hilfe, zugegeben - aber nicht von der Art, wie wir sie von uns selbst oder irgendeinem anderen menschlichen Wesen bekommen könnten. [Blaues Buch, S. 69 unten: a.b.c] Gegen Alkoholismus ist kein Kraut gewachsen. In Schritt Zwei wird uns daher vorgeschlagen, dem Genesungshocker ein weiteres Standbein zu verpassen, nämlich die Hilfe einer "Power greater than ourselves -- einer Macht, größer als wir selbst", um uns wieder zur Vernunft" zu bringen. AA ist keine Selbsthilfegruppe in dem Sinne, daß wir uns selbst helfen könnten. Sondern AA ist der Ort, wo unserem wahren Selbst (unserem guten Kern) zum Durchbruch verholfen wird - und unserem kranken Ich zur Gesundschrumpfung."'Das geschieht durch eben jene Macht, die größer ist als unser Ich - durch Gott.

Die Erfahrung dieser Hilfe wurde zu einem Grundgesetz unserer Genesung. Es läßt diejenigen nicht im Stich, die es aufrichtig anwenden. Nachdem wir es aus unserer eigenen Kraft [power] nicht geschafft haben, können wir hoffen, unsere geistige Gesundheit durch den Glauben an eine Höhere Kraft wiederzugewinnen. Andere haben das mit Erfolg getan. Nachdem wir davon überzeugt sind, erscheint es ratsam, den Dritten Schritt zu betrachten, das dritte Bein unseres Genesungshockers.

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