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Made a decision to turn our will and our lives over to the care of God as we understood Him. 
Wir faßten den Entschluß, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes - wie wir Ihn verstanden- anzuvertrauen.

Der Dritte Schritt fügt unserem Schemel der Genesung das dritte Standbein hinzu, der jetzt fest auf drei starken Beinen steht und uns nützliche Dienste leisten kann.

Er konfrontiert uns mit etwas, was wir lange gemieden haben - mit den Maßstäben einer spirituellen Lebensweise. Eine harte Nuß für die, die noch nicht so weit sind, aber ein wirklicher Lebensretter für die , die die Bereitschaft haben .

Der Dritte Schritt ist ebenso wichtig für die erfolgreiche Genesung vom Alkoholismus wie das dritte Bein für unseren Hocker. Wir brauchen spirituelle Hilfe, um zu genesen. Aus denjenigen, die ohne sie auskommen wollen, formiert sich das Heer der Staubtrockenen - und bei vielen rieselt aus den Hosenbeinen schon der Kalk. Ohne Spiritualität erreichen wir kaum mehr als diesen Zustand unzufriedener Trockenheit, oft nicht einmal das.

Das wird jenen deutlich, die reif für AA sind, bleibt jedoch den anderen ein Rätsel. Sie wollen Alkoholismus nicht als Gesamtzustand betrachten, bei dem Körper, Denken, Gefühle und das Spirituelle im Menschen krank geworden sind, sondern nur als umweltbedingtes Problem oder nur als vorübergehendes Mißgeschick - etwa wie einen Schnupfen oder eine Platzwunde am Knie. Also suchen sie nach etwas, das diese fortschreitende Krankheit ohne ihr Zutun kuriert: "Bitte, lieber Doktor, hier bin ich. Nun machen Sie mal was mit mir. Geben Sie mir irgendeine Arznei und fertig. Wenn's sein muß, laß ich mir sogar ein paar Nadeln ins Ohr stecken oder mich hypnotisieren." Und sie erwarten, anschließend wieder wie normale Menschen* trinken zu können, ohne die Kontrolle zu verlieren. Weil sie nicht erkennen, daß der erste Schritt zur Genesung das Eingeständnis der Krankheit ist, stehen ihnen arge Schwierigkeiten bevor.

*Blaues Buch S.35-36

Hier ein Zitat aus dem Little Red Book: "Die ersten drei Schritte sind ein wohlkomponiertes AA-Paket. Entstanden aus Meditation und Erfahrung sind sie ein grundlegendes Rezept zu Genesung. Wenn sie zur rechten Zeit in der richtigen Dosierung angewandt werden, bringen sie unsere Krankheit Alkoholismus sofort zum Stillstand. Da sich diese Schritte jedoch gegenseitig ergänzen, funktionieren sie nicht, wenn irgendeiner von ihnen ausgelassen wird."

Diese Theorie zu akzeptieren, ist viel einfacher, als sie zu leben. Lippenbekenntnisse bringen uns nirgendwohin. Erfolgreiche AA-Mitglieder sind diejenigen, die ihre Vorbehalte auf dem Altar der Nüchternheit opfern und ihr Ego beim Leben in den Zwölf Schritten verlieren.

Im Alkoholismus steckt mit Bestimmtheit spirituelles Siechtum [spiritual illness]. Der Dritte Schritt gibt eine Lösung für die Behandlung an. Das ist eine simple Lösung, dennoch ist sie für einige ziemlich schwierig. Ihr Erfolg liegt in unserer Bereitwilligkeit, unsere Sinne mit spirituellem Denken zu disziplinieren. Gleichgültigkeit und Vorurteil sind die hauptsächlichen Sperren auf dem Weg zum Erfolg. Vom Alkohol abhängige Hirne rebellieren gegen die Aufgabe/Hingabe*, die dieser Schritt empfiehlt.

*sul Tender - auch: Kapitulation

Unsere Entscheidung, AA beizutreten, hatten wir getroffen, ohne zu wissen, daß dies eine spirituelle Lebensweise sein würde. Hilfe und Verständnis von AA sind uns willkommen, aber beim Dritten Schritt schrillen die Alarmglocken - das schmeckt verdächtig nach Religion! Einige mögen das nicht. Sie fragen: "Ist AA eine Religion?" Unsere Antwort ist: ,,Nein! Es ist ein 24-Stunden-Genesungsprogramm, entliehen aus Medizin, Psychologie und Religion, eine tagtägliche Lebensweise, durch die wir den Alkoholismus zum Stillstand bringen."

Warum sollten wir nicht zuerst einmal über die Gründe nachdenken, warum wir hier sind, bevor wir es ablehnen, die Spiritualität von AA folgerichtig zu nutzen? Sind wir hier, um uns aufzulehnen, oder um gesund zu werden? Wollen wir die Zwölf Schritte abändern, oder wollen wir versuchen, sie zu leben? Wollen wir über eine Million Alkoholiker für verrückt erklären. die durch sie Genesung erfahren haben? Können wir es wagen. die einzige, uns verbliebene Hilfsquelle, links liegen zu lassen? Ja, wir können. wenn wir wollen. Aber das stimmt dann wohl kaum mit unserem AA-Ziel überein.

Unsere Abneigung gegen spirituelle Gesetzmäßigkeiten ist ein gutes Beispiel für die Widersprüchlichkeit von Alkoholikern. Wir akzeptieren die Naturgesetze des Schöpfers, ohne nachzuhaken, aber die spirituellen Gesetzmäßigkeiten, die für unsere Genesung nötig sind, lehnen wir ab. Was haben wir für einen Grund? Warum fehlt uns das Vertrauen spirituelle Hilfe zu nutzen, obgleich wir Gottes physikalische Gesetze widerspruchslos akzeptieren?

Kaum jemand wird bei Sonnenuntergang glauben, die Sonne würde nie wieder aufgehen oder die Erde, der Mond. die Sterne und andere Himmelskörper würden aufhören, sich in ihren Bahnen zu bewegen. Unser Vertrauen in diese Vorgänge ist grenzenlos. Es gibt keinen Grund, die Erdanziehungskraft zu bezweifeln. Wir glauben daran. Wir können sie nicht leugnen. Die Existenz von Fahrstühlen bestätigt diese Ansicht, denn sie werden immer noch benutzt, um von den obersten Stockwerken großer Gebäude wieder hinunterzufahren. Diese Verfahrensweise wird wahrscheinlich fortbestehen, bis irgendwelche Alkoholiker entdecken, wie sie das Ganze widerlegen können. Die Einsicht in das Gesetz der Schwerkraft schreckt uns ab, von schnelleren Möglichkeiten der Abwärtsbewegung Gebrauch zu machen und z.B. Fahrstuhlschächte hinab oder aus dem Fenster zu springen.

Merkwürdigerweise passiert dies dennoch einigen, die beharrlich Gottes physikalische. geistige und spirituelle Gesetzemäßigkelten mißachten. Nicht alle springen aus Fenstern. Manche zahlen ihre Straf-Denkzettel auf andere Weise. Aber es gibt Strafen, die bezahlt werden müssen, und nasse Alkoholiker zahlen für alles, was sie tun - auf die eine oder andere Weise.

Andererseits gibt es viele Belohnungen für spirituelles Leben. Um in dieser Sache sehr klar zu sein: Sie übertreffen die Strafen und sollten somit gute Grunde sein, den Dritten Schritt zu akzeptieren.

Mit Hilfe der täglichen spirituellen Übungen von AA erheben wir uns aus den Tiefen der vom Alkohol verursachten Schwäche und Ignoranz, und wir steigen empor zu Kraft, Gesundheit und zu einem neuen Verständnis unseres Lebenszwecks.

Die Zwölf Schritte lehren uns, wie wir Altes durch Neues ersetzen können. Täglich tauschen wir Angst gegen Mut, Trunkenheit gegen Nüchternheit und Verzweiflung gegen Sicherheit.

Den Mitgliedern widerstrebt es oft, die neue Kraftquelle, die ihnen der Dritte Schritt eröffnet, zu nutzen . Wir sollten sie nutzen. Sie ist die Kraftquelle. die uns Nüchternheit und Seelenfrieden [peace of mind] sichern wird . Wir überwinden unsere Probleme und wachsen über sie hinaus, immer wenn wir unsere Vorbehalte durch Gottes Willen ersetzen.

Dies sind die zufriedenstellenden Resultate einer spirituellen Lebensweise. Das ist der Lohn, den wir durch die Ausrichtung unseres Willens am Willen einer Höheren Macht erhalten. Es ist nicht schwer, so zu handeln und nicht zu schwierig, um es zu verstehen, vorausgesetzt, wir haben tief genug gelitten und sind entschlossen, nicht Halt zu machen, bis wir genesen sind.

Niemand sagt uns, wie wir im Programm leben sollen, oder wie wir Gott zu verstehen haben. Das ist unser Privileg. Aber wir können hilfreiche Rückschlüsse aus Erfahrungen erfolgreicher, älterer Mitglieder ziehen, die bereit und willig sind, uns zu helfen. Darauf läuft die ganze Sache hier letztendlich hinaus.

Weil es sicherlich ebenso viele Interpretationen von Gott wie AA-Mitglieder geben wird, kann keine feste Vorgehensweise empfohlen werden. Aber es ist offensichtlich, daß es am hilfreichsten sein dürfte, die Zwölf Schritte zu lernen und täglich Gott anzurufen.

Der Dritte Schritt umfaßt ein sehr großes Gebiet und kann manchmal verwirrend erscheinen. Dies wollen wir vermeiden, indem wir diesen Schritt in drei Abschnitte unterteilen, in der Absicht, uns mit jedem einzeln zu befassen. Wenn wir sie später zusammensetzen, werden wir lernen, wie sie im Ganzen funktionieren.

Dies erlaubt uns, die tatsächliche Wirkungsweise dieses Schrittes zu durchschauen und ihn lockerer anzugehen; wir sind dann geneigt, ihn vorurteilsfreier und emotionsloser zu akzeptieren. Also vermeiden wir Verwirrung und vermindern Voreingenommenheit gegen das Spirituelle, indem wir die Tatsache betonen, daß jedes Mitglied seine eigene Vorstellung [concept] von einer Höheren Macht entwickeln kann. Es ist wichtig, daß wir eine solche Vorstellung haben. Denn AA lehrt, daß unsere Genesung vom Alkoholismus von [der Qualität}unserer spirituellen Verfassung abhängig ist",

Dieser Punkt verdient besondere Beachtung. Er fordert unsere Aufgeschlossenheit und ist ein Test für unsere Bereitschaft, die spirituellen Angebote des AA-Programms anzunehmen und zu verstärken. Wenngleich wir starke religiöse oder atheistische Überzeugungen haben mögen, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß wir dem Alkoholismus gegenüber machtlos waren. Unsere Lebensuntüchtigkeit [unmanagable lives] hat das bewiesen.

Offensichtlich ist Aufgeschlossenheit nötig für unseren Genesungsplan. Wir werden vieles an ichbezogenem Denken abändern müssen. Töten wir all jene Ideen bezüglich des Zwölf-Schritte-Programms, die das Erreichen des Genesungsziels torpedieren [bevor sie uns töten]! Es ist überhaupt keine Kunst, ein schiefes Bild von den Prinzipien des Programms zu kriegen. Manche dieser Vorstellungen triefen förmlich von alkoholisch-nassem Denken. Aber wir alle hatten sie. Neue werden sie auch weiterhin haben, doch letztlich verliert sich das - wie bei uns auch.

Aus diesem Grunde müssen wir gegenseitige Toleranz üben und immer versuchen, uns gegenseitig durch so viel wie möglich Verständnis und Rücksichtnahme hilfreich zu sein.

Die Schritte Eins und Zwei haben eine heillose Krankheit in unserem Leben festgestellt. Schritt Drei zeigt uns eine erprobte, wirksame Behandlung für den spirituellen Teil dieser Krankheit. Dieser Schritt macht uns drei Vorschläge, die wir, wie gesagt, einzeln studieren wollen.

Wir trafen eine Entscheidung

Wovon sollten wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen? Von dem Umstand, daß wir eine tödliche Krankheit haben oder von unserer Mimosenhaftigkeit? Durch letzteres haben Leute in AA das Ziel verfehlt. Sie waren ungeduldig, wollten sogleich andere bekehren und/oder Ansehen in der Gemeinschaft erwerben, und übergingen dabei die Entscheidung im Dritten Schritt. Auf, auf zu neuen Ufern - was kostet die Welt?! Die Fortschritte in ihrer Entwicklung fallen mager aus, da sie ihre alte Denkweise niemals überwinden und sie auch nicht mit einem tieferen Verständnis der Zwölf Schritte bereichern.

Sie gleichen Leuten, die fremde Länder ohne Straßenkarte bzw. Orientierungshilfe bereisen: Sie kommen zwar regelmäßig irgendwo an, bloß selten oder nie da, wo sie eigentlich hinwollten. Sie verwechseln Aufgabe/Hingabe mit Anpassung an die Gruppe, und damit geht der Ärger los. Für sie ist Alkoholismus lediglich Mangel an Willenskraft [Wer hart genug gesoffen hat, kann auch hart aufhören!] oder eine verzeihliche Sünde [Wir sind alle kleine Sünderlein, 's war immer so ...]. Unter solchen Bedingungen ist Genesung nicht zu erwarten. Denn wenn wir nicht unseren echten Problemen ehrlich ins Gesicht schauen und willens werden, sie alle zu überwinden, können wir durch AA wenig Hilfe erwarten.

Was sind das für Bedingungen? Was schieben Alkoholiker vor, um ihre wirklichen Probleme nicht anpacken zu müssen? Wer erleidet in AA Fehlschläge und warum?

1. Diejenigen, die Alkoholismus eher als moralisches Problem ansehen statt als heillose Krankheit.

2. Leute, die widerwillig sind und nur gezwungenermaßen zu AA gehen, z.B. um sozialen Abstieg zu vermeiden oder um nicht eingesperrt zu werden.

3. Mitglieder, die "nur mal so bei AA reinschnuppern" wollen, aber immer noch darauf bestehen, alles im Griff zu haben .

4. Einige Leute, die zwar schwere Trinker, aber keine Alkoholiker sind.

5. Solche, die zwar Alkoholiker sind, aus ihrer Veranlagung heraus jedoch unehrlich bleiben

6. Gelegentlich auch Atheisten oder Agnostiker", die solch ein spirituelles Programm wie das unsere nicht akzeptieren wollen.

7. Mitglieder. die in AA öffentliche Anerkennung und die Verwirklichung egoistischer Ziele suchen.

8. Alkoholiker, die nur anderen zuliebe mit dem Trinken aufhören.

9. Neulinge, die mit dem Besuch von AA nur ihr Umfeld beruhigen wollen: Ehepartner, Richter, Arbeitgeber, Verwandte, Geschäftspartner, Freunde.

10. Mitglieder mit Vorbehalten: Männer und Frauen, die nur einen Teil der Zwölf Schritte akzeptieren. Selbst diese Teile interpretieren sie selbstgefällig, wie es ihnen gerade in den Kram paßt - auf verzerrte Weise.

Es ist wahr, daß aus den vorstehend genannten Gründen viel Gutes im Sinne einer Lösung vom Alkohol erwachsen kann, aber auf Dauer werden sie uns nicht vom Trinken abhalten. Alkoholiker trinken, ob mit oder ohne Grund. Zum Aufhören gibt es keinen - außer, wenn Alkoholismus als tödliche und heillose Krankheit erkannt und zugegeben wird. Alles andere greift zu kurz und begründet nicht die weitreichende Entscheidung, die der Dritte Schritt erfordert.

Das ist der Knackpunkt bei diesem Schritt: die Entscheidung. Lies ihn noch mal. Ist mehr verlangt? Die Schritte Eins und Zwei sind die einzige Grundlage, auf der diese Entscheidung ehrlich erfolgen kann. Nüchternheit und Seelenfrieden hängen davon ab, welche Art Entscheidung wir treffen. Nimm das ernst!

Wir haben alle schon mal mehr oder weniger wichtige Dinge entschieden. Aber ob du es glaubst oder nicht, dies ist die allerwichtigste Entscheidung, zu der wir im Augenblick berufen sind. Unsere Sicherheit und unser zukünftiges Wohlergehen hängen unmittelbar davon ab.

Das Spirituelle ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wenn wir willig und ehrlich entschieden sind, darin zu leben.

Wie wir damit auskommen, was der Dritte Schritt vorsieht, ist keine Sache sofortiger Überlegungen. Weitere Schritte in unserem Programm sagen, wie das geht. Wir gehen zu gegebener Zeit auf sie ein. Im Augenblick ist nichts von größerer Wichtigkeit als die kluge Entscheidung, diesen Schritt vorbehaltlos zu akzeptieren.

Durch Erfahrung haben wir gelernt, daß diese Entscheidung nicht dauerhaft sein wird, falls sie nicht wegen unseres Alkoholismus, sondern aus Gründen wie in 1.-10. [siehe oben] erfolgt. Doch wenn sie auf Alkoholismus beruht, also auf der Krankheit (des Körpers, des Denkens und des Spirituellen), dann hält sie uns aktiv in AA - nüchtern und zufrieden. Sie öffnet uns die Augen, daß uns wirklich Hilfe nottut, und worin das Wesen unserer Not besteht. Wir hören auf, uns selbst zum Narren zu halten, und erforschen ehrlich unsere alkoholische Wesensart. Dieses Wissen verursacht einen starken Anreiz, Schritt Drei zu akzeptieren. Es schenkt uns die Bereitschaft, unseren alkoholischen Willen unter eine größere Macht als unsere eigene zu stellen (surrender).

Bevor wir nicht eine Power finden, die stärker ist als unsere eigene, etwas Wichtigeres als Alkohol, haben wir nichts, wofür wir leben. Warum sollten wir weitertrinken und unseren Willen König Alkohol überantworten, dem heimtückischen, betrügerischen Kerl. dessen einziger Lohn am Ende in Verzweiflung, Wahnsinn und alkoholischem Tod besteht?

Das soll nicht heißen, daß Nüchternheit durch Angst (vor diesen Folgen] erlangt werden soll. Im Gegenteil, wir gewinnen Nüchternheit durch Glauben, Vertrauen und Mut. Angst ist eine Form der Ignoranz. Gläubiges Vertrauen, das auf Erkenntnis beruht, ist dagegen ein Zeichen von Intelligenz. Die Angst ist nichts Bleibendes. Die Angst kann uns nicht nüchtern erhalten, sie verläßt uns bald, und wir beginnen wieder zu trinken. Wenn der Saufdruck erst mal da ist, duldet er keine Furcht vor Konsequenzen. Das sollte für uns Grund genug sein, jene Entscheidung zu treffen, wie sie in Schritt Drei vorgeschlagen wird. Gewappnet mit ihr und in Kenntnis der Wahrheit über unseren Alkoholismus beginnen wir unsere Genesung.

Wir kommen zum zweiten Abschnittdieses Schrittes, zu dem Teil, der sich mit unserem Willen und unserem Leben befaßt und der vorschlägt, daß wir beides der Sorge Gottes anvertrauen. Um es ganz klar herauszuarbeiten, werden wir den zweiten Teil nochmals aufsplitten und zunächst den Willen des Alkoholikers darstellen.

Unseren Willen Gott anvertrauen

Nachdem wir eine Entscheidung getroffen haben, ist unser nächster Schritt "Unseren Willen der Sorge Gottes, wie wir Ihn verstanden, anzuvertrauen".  Das ist schließlich schon alles, womit wir uns im Moment beschäftigen sollten, so schlagen wir vor.

Die vor uns liegende Frage ist simpel. Was ist der Wille eines Alkoholikers? Wir möchten mit dieser Frage in aller Einfachheit umgehen, um die mancherlei Verwirrungen zu vermeiden, denen wir sonst ausgesetzt sein könnten. Die Wahrheit ist - wir wollen trinken, wann und wo es uns paßt, wir haben resigniert vor der Pein, die uns daraufhin erwartet. Die Tatsache, daß wir die Kraft zu wählen verloren haben, engt uns ein, so daß wir nur noch eine Wahl haben: Unser Wille ist auf das eine Ziel gerichtet - nämlich zu trinken.

Diese platte Beschreibung des Willens eines Alkoholikers bezieht sich auf sein unvorhersagbares Trinkverhalten und ist dazu angetan, darüber zu streiten. Wenige von uns haben ständig getrunken.

Einige Mitglieder standen im Dienst ihres Gemeinwesens. Andere leisteten in verantwortlicher Position ihren Beitrag zum Unterhalt und Wohlergehen ihrer Familien. Aber nur durch Bluff, Lügen, Betrügereien und die kooperative Unterstützung von Freunden und Familien gelang es uns, wichtige Aufgaben zu erfüllen.

Hier liegt der Haken, denn wenn der Saufdruck kam, wurden Familien, Religion und Geschäft vernachlässigt und mißachtet zugunsten unserer Sauferei. Zu lange haben wir Ausreden und vernünftig klingende Erklärungen gesucht. Wir sind nun in AA. Laßt uns also damit aufhören.

Medizin und Psychiatrie suchen wissenschaftliche Gründe für unser Trinken. Nicht so AA. Wir bekennen uns zu dem, was wir angerichtet haben, und überwinden es durch unsere spirituelle Lebensweise. Aus diesem Grunde raten wir neuen Mitgliedern, Laien zu bleiben. Alkoholiker bleiben nicht nüchtern, wenn sie versuchen, über Nacht fähige Doktoren oder Pfarrer zu werden. Da wir wissen, daß Mitglieder dies dennoch versuchen, möchten wir diese Neigung hier nicht unerwähnt lassen - damit sie vermieden werden kann.

Der Wille eines noch nassen Alkoholikers scheint sich nur in eine Richtung zu bewegen: auf die Flasche zu. Vielleicht sollten wir deshalb kurz unsere Haltung gegenüber dem Trinken untersuchen.

Es gibt kein vergleichbares Verhaltensmuster, das auf den Alkoholiker paßt. Das eingefleischte Muster, sein nasses Denken und Verhalten, hört nicht von selbst auf, selbst dann nicht, wenn er eine Zeitlang dem Stoff abschwört. Rückfälle und neuerliche Sauftouren folgen in schöner Regelmäßigkeit allen Vorsätzen, mit dem Trinken aufzuhören. [Die Katze läßt das Mausen nicht und der Alkoholiker nicht das Trinken. Es gehört zu ihrem Wesen. Es zu lassen, ginge wider ihre Natur.] So läuft das mit dem Willen des Alkoholikers. .

Selbst in Zeiten der Abstinenz waren wir niemals sicher, wie lange sie dauern würde. Wir wußten genau, wieviel Tage wir es schon trocken ausgehalten hatten, jedoch ohne den blassesten Schimmer, wann wir jenen ersten Schluck wieder zu uns nehmen würden. Solange wir nichts tranken, befanden wir uns absolut im Ausnahmezustand. Unbewußt zählten wir die Tage und fieberten unserem nächsten Besäufnis entgegen.

Wir erklärten zwar, mit dem Trinken aufhören zu wollen. Wir dachten sogar, es sei uns ernst damit. Aber wir wollten nicht aufhören. Wir wünschten uns nur, das zu wollen.  Was wir wirklich wollten, war, unser Trinken zu kontrollieren - wenigstens soweit, daß es uns nicht mehr in Schwierigkeiten brachte.

Das Wort Schwierigkeit [trouble] hat weitreichende Bedeutung für einen nassen Alkoholiker. Körperlich kann es sich auf vieles beziehen, von Magenverstimmung bis hin zum Tod durch Alkohol. Zwischen diesen beiden Extremen sind wir anfällig für mancherlei andere Gebrechen. Und - was uns noch nicht einmal bewußt ist - alles nur wegen unseres alkoholischen Willens: uneingeschränkt zu saufen.

Da gibt es zum Beispiel Anämie, Mineral- und Vitaminmangelerscheinungen, den sprichwörtlichen dicken Kopf, Zittern, kalte Schweißausbrüche, Lungenentzündung, Leber- und Herzbeschwerden, alkoholbedingte Nervenentzündung, zu niedrige Blutzuckerwerte, chronische Alkoholvergiftung und ähnliche Leiden. Je größer die Anfälligkeit, desto mehr wird unser Alkoholiker seinen Halt bei der Flasche suchen.

Jede dieser Krankheiten, und erst recht ihr kombiniertes Auftreten. bedeutet Schwierigkeiten für uns. Filmrisse. Entzugserscheinungen, Wahnsinn und alle möglichen anderen Symptome gesellten sich hinzu. Wir hatten einen ganzen Sack voll Probleme. Sie alle führten zu geistigem" und körperlichem Unbehagen und der Vergeudung kostbarer Zeit. Ihretwegen mußten wir oft ins Krankenhaus eingeliefert werden. Manchmal kurierten wir uns zu Hause, aber nicht ohne die Hilfe oder wenigstens Duldung anderer, und nicht ohne Verlust des Interesses an beruflichen Dingen.

Unsere Not zeigte sich in jeder Form, sei es verlorene Gesundheit, Angst. Sorge und Furcht. Unter dem Einfluß von Alkohol konnte uns alles Mögliche zustoßen - und das passierte auch immer wieder.

Betrunkenheit erzeugte neue Betrunkenheit. Sie stumpfte unser Urteilsvermögen und zarte Empfindungen ab. Finanzielle Schwierigkeiten traten auf. Gläubiger wurden lästig. Manchmal machten wir Krawall und landeten hinter Gittern. Zeitweise kamen wir in die Ausnüchterungszelle oder wurden wegen Alkohol am Steuer und anderen Rechtsbrüchen festgenommen. Scheidung und Probleme mit dem Sex brachten unser Leben durcheinander. Gelegentlich steigerte sich unser Wille zu trinken bis zur Besessenheit, und das Ende war immer Schrecken und Leid.

Ungeachtet der extremen Schwere all dieser Probleme hatten wir noch andere, die ebenso schwer, wenn nicht noch schlimmer, waren. Wie steht es um Alkoholiker mit alkoholbedingten Hirnschäden im fortgeschrittenen Stadium oder um jene, die einen Selbstmordversuch planen - ganz zu schweigen von den Unglücklichen, die ihn unternehmen?

Der Schaden, den das Trinken bei uns selbst verursachte, war groß. Aber verglichen mit dem irreparablen Schaden, den wir dadurch anderen zufügten, war er klein. Manchmal bestand er in körperlicher Gewalt gegenüber Mitgliedern unserer Familie. Dann gab es Fälle von Körperverletzung und sogar Tod. Und wir, besoffen und verrückt wie wir uns aufführten, waren der Grund. daß andere Leute da hinein verwickelt wurden. Dies alles und die unfaßbaren Verletzungen ihrer Gefühle kann niemals vollständig aufgelistet werden.

Soviel über die traurigen Erfahrungen mit unserer alkoholischen Willenskraft und ihren tragischen Auswirkungen auf das Leben anderer. Solche bedauerlichen Handlungsweisen brauchen sich nicht zu wiederholen, wenn wir Alkoholismus als spirituelle Krankheit begreifen und Gottes Hilfe suchen, um sie zum Stillstand zu bringen.

Wir sollten ernsthaft danach streben. Aber es muß mehr daraus werden als nur ein guter Vorsatz. Wenngleich Glauben und Dienst von Gott honoriert werden, Wunschdenken belohnt Er nicht. Nur wenn wir unser Leben zu einem [Empfangs- und Sende-] Kanal für Seinen Willen machen, wird Er uns zufriedene Nüchternheit gewähren. Sein Wille regeneriert uns. Unser Wille zu trinken kann uns nur zerstören.

Manchmal sehen wir in unserem Alkoholismus Sündhaftigkeit und Willensschwäche. Unersättliche Gier ist immer sündhaft, aber die Trinkerei erwächst nicht aus unserer vermeintlichen Willensschwäche. Im Gegenteil! Wir waren sogar außergewöhnlich willensstark, wenn es darum ging, uns Nachschub zu beschaffen. Da wir die Funktionsweise unserer Willenskraft nicht verstanden, verwechselten wir sie mit Schwäche. Vom Verstand her war uns allzu oft bewußt, daß wir uns lieber bremsen sollten. Also faßten wir gute Vorsätze. Über mehr oder minder lange Zeiträume hinweg zwangen wir uns krampfhaft zur Abstinenz - unzufrieden und von Entzugserscheinungen geplagt. Aber tief in uns, verborgen in unserem unbewußten Sein, zwang uns ein stärkerer Wille zu trinken - um jeden Preis. Kein Hindernis war auf die Dauer stark genug uns aufhalten. Wir geben zu, daß die Sünde * bei unserer Krankheit eine Rolle spielte, aber mehr bei ihren Folgen als bei ihren Ursachen.

*Anm. d. Red. Wir scheuen uns nicht. diesen aus der Mode gekommenen Begriff aus dem englischen Text wörtlich zu übernehme n. Welcher Alkoholiker kennt nicht diese unsichtbare Mauer aus Schuld und Scham. die ihn von Gott und der Weil absondert? Man sagt oft: „Er hat gestohlen. gelogen usw." Was er getan hat. sei Sünde. Die Schuld ist jedoch das  was er nicht hat (z.B. Geld, Wahrhaftigkeit). Das ist das Fehlende, der Fehler! So ist Sünde der spirituelle Zustand. in dem das Trennende noch nicht aufgelöst. die Schuld noch nicht wiedergutgemacht ist.

Wir glauben, daß es für AA-Mitglieder lebenswichtig ist, ihren Willen der Sorge Gottes anzuvertrauen, getreu dem Motto" Dein Wille geschehe, mein eigener bringt mich sonst ums Leben". Sicher muß das mit aller Aufrichtigkeit getan werden, denn für die meisten von uns ist Genesung eine Frage von Leben und Tod. Das ist eine Sache, in der nur eine Entscheidung, geboren aus Aufrichtigkeit und Verzweiflung, diesen tief vergrabenen Zwang abtöten kann, um jeden Preis zu trinken. Sich entscheiden heißt, wirklich Abschied zu nehmen, die Hintertürchen zuzumachen, die Brücken hinter sich abzubrechen, alle anderen Möglichkeiten abzutöten" und nur die eine übrigzulassen, für die man sich entscheidet. Der Dritte Schritt schlägt uns den einzigen Weg vor, den wir kennen, um unseren alkoholischen Willen weg von der Trunkenheit und hin zur Nüchternheit umzulenken.

Nicht zur Sklaverei, sondern zur Freiheit von unserem ichbezogenen Willen führt dieser Schritt. Er gibt uns die Meisterschaft über unseren Eigenwillen, indem wir dessen zerstörerische Energie in Liebe, Dienst und spirituelle Kraft transformieren. Durch diese Praxis wandeln wir jene schöpferischen Kräfte unseres Innenlebens in nun konstruktiv-nützlichem Sinne um und wirken in hohem Maße regulierend auf unsere äußeren Umstände ein. Nachdem uns nun ein Kronenleuchter über die Natur unseres Eigenwillens und das Strickmuster unserer Gedanken aufgegangen ist, nachdem uns einleuchtet, daß davon bestimmt wird, an welchem Zielpunkt wir im Leben landen werden, sind wir nun bereit, unseren Willen (nämlich zu trinken, koste es was es wolle) der Sorge Gottes, wie wir Ihn verstanden, anzuvertrauen.

Unser Leben Gott anvertrauen

Bevor wir unser Verständnis von Gott im dritten Abschnitt dieses Schrittes behandeln, schlagen wir nun die Erforschung der derzeitigen Umstände unseres Lebens vor. Nachdem wir zugegeben haben, daß es unkontrollierbar geworden war, würden wir gerne erfahren, wie wir es der Fürsorge eines liebenden Gottes anvertrauen können.

Der Dritte Schritt stellt uns vor ein paar schwierige und unerfreuliche Fragen, vor denen wir uns jahrelang gedrückt haben. Was hat das Trinken in unserem Leben angerichtet? Sind wir durch das Trinken spirituell gesehen verwahrlost? Was heißt überhaupt Leben für einen Alkoholiker?

Für normale Leute ist das Leben eine vitale Sache eine Serie glückhafter Erfahrungen des Gemüts und des Körpers, wovon sie zu schöpferisch-nützlicher Aktivität angespornt werden, die ihnen und anderen dient. Es ist ein bewußter, lebendiger Zustand, der Wachstum und Fortpflanzung einschließt, und ihnen Seelenfrieden, sowie Elan zum Weiterleben beschert. Es ist von jener angeregten und anregenden Qualität, die tote Gegenstände von lebendigen Wesen unterscheidet.

War unser Leben so? Können wir die Erfahrungen unseres alltäglichen Suffs -selbst wenn wir ein Auge zudrücken- noch als normal bezeichnen? Wohl kaum! Sie passen nicht zu dieser einfachen Checkliste für ein normales Leben.

Einige AA-Mitglieder würden ihr verkorkstes Leben, das sie nicht mehr im Griff hatten, gerne vergessen. Einen Schlußstrich ziehen, Schwamm drüber - und im Wesentlichen einfach weitermachen, als sei nichts gewesen! Aber es ist eine gefährliche Sache, so vorzugehen. Ein völliger Persönlichkeitswandel ist angesagt. Sozusagen: Von der Raupe zum Schmetterling - entpuppe dich! Das sollte uns sehr bewußt sein, wenn wir eine Entscheidung treffen, unseren Willen und unser Leben der hilfreichen Führung einer Höheren Macht zu überlassen.

Vergiß auch nicht, daß unser Leben anders war, als wir es uns in unserer alkoholisierten Scheinwelt voller Ausreden und "perfekten" Erklärsystemen vorgaukelten. Es hatte sehr wenig gemeinsam mit einem normalen Leben - mit einer Ausnahme: Obwohl wir seelisch erlahmten, spirituell am Hungertuch nagten und oft auch aussahen wie der Tod auf Latschen, vegetierten wir körperlich weiter dahin.

Oft war uns zum Sterben zumute: "Ade, du schnöde Welt!" Doch wir starben nicht. Je länger wir lebten, desto mehr tranken wir. Je mehr wir tranken, desto weniger hatten wir etwas, wofür wir lebten. Je weniger wir hatten, wofür sich das Leben gelohnt hätte, desto mehr suchten wir Scheingründe für unser Leben. Alkoholismus ist eine fortschreitende Krankheit. Sie hört nicht von selbst auf, sondern führt mal schneller, mal langsamer immer weiter bergab. Der Alkohol beansprucht uns ganz und gar, verlangt uns das letzte Hemd ab. So ist das Leben - unser Leben. Und das vertrauen wir nun Gottes Fürsorge an.

Eingedenk der Tatsache, daß wir uns im Ersten Schritt dem Alkohol gegenüber machtlos erklärt haben und unser unkontrollierbar gewordenes Leben so nicht länger fortsetzen können, sind wir wirklich glücklich dran , einen einfachen Weg zur Wiederherstellung in AA zu finden.

Unsere Genesung beginnt in dem Augenblick, in dem wir unsere persönliche Machtlosigkeit zugeben und Gott um Hilfe bitten .

Unser Ego, lange mit Alkohol durchtränkt, wird nie aufhören, sich gegen die wahre Realität aufzulehnen. Es ist ratsam, diesen Umstand offenen ' Sinnes zu erkennen - bereit und willig, unseren Genesungsweg zu beginnen. Warum wollen wir unsere Köpfe länger in den Sand von Ignoranz und verstandesgemäßer Rechthaberei stecken? Wir brauchen Gottes Hilfe. Wir sind darauf angewiesen. Auf andere Weise können wir von unserer spirituellen Krankheit nicht genesen. Und wenn wir an diesem Punkt scheitern, gibt es überhaupt keine Genesung für uns.

Es ist ein großer Unterschied zwischen einem Lippenbekenntnis zu Schritt Drei und dem Versuch, danach zu leben. Für einen Alkoholiker ein gefährlicher Unterschied! Denn das eine ist Anpassung, (eine halbherzige Zustimmung in der Illusion, sich schon irgendwie durchmogeln zu können), das andere ist surrender (die bedingungslose Aufgabe des Alten und bejahende Hingabe an das Neue. In Deutschland ist bei der ersten Übersetzung des Blauen Buches durch Heinz Kappes 1962 für surrender" der Begriff Kapitulation geprägt worden). Alkoholiker sind flexibel und anpassungsfähig, aber sie wehren sich gegen diese Aufgabe/Hingabe/Kapitulation,

Das Wesen eines Menschen weiß genau, wann es ernst wird. Zwar schielt der Verstand noch in Richtung Anpassung, gehorcht aber willentlich der Einsicht in die Notwendigkeit völliger Unterwerfung. Unter dem kraftvollen, regenerierend wirkenden Drängen des surrender wird unser aufgeblähtes Ego gesundgeschrumpft und der heimliche Wille, hemmungslos zu saufen, abgetötet.

Fassen wir zusammen, was gut und schlecht ist, wodurch das Leben, das wir bei AA einbringen, charakterisiert wird, so findet sich Machtlosigkeit gegenüber Alkohol und Kontrollverlust, wie im Ersten Schritt beschrieben. Zwanghaftes Trinken hat unser Denken verwirrt und machte uns körperlich, seelisch und spirituell krank Das sind die Endergebnisse, die aus unserer vom Alkoholismus bestimmten Lebensweise resultieren. Unser Ziel in AA ist es, die Krankheit zum Stillstand zu bringen, ehe sie uns ruiniert.

Das ist ein ziemlich düsteres Gemälde, was unsere Zukunftschancen betrifft. Die jedem Menschen eigene Fähigkeit, ein lebenswertes Leben aufzubauen, scheint bei uns unter die Räder gekommen zu sein. Das ist auch tatsächlich wahr, solange wir uns nur auf eigene Kräfte beschränken. Fakt ist jedoch, daß wir uns alle eine schier unerschöpfliche Kraftquelle erschließen können . Den Zugang zu ihr finden wir im spirituellen Bereich. Durch sie erhalten wir Zugriff auf die großartigsten Segnungen des Lebens. Aber wenn wir nicht aufwachen, um unsere spirituellen Fähigkeiten zu entwickeln, werden wir unweigerlich auf die niedrigste Stufe des Lebens herabsinken.

Einige Leute betreiben Raubbau an sich selbst. Einige werden von anderen rücksichtslos ausgebeutet. Doch niemand kann uns je eines glücklichen, nüchternen Lebens berauben, falls wir unsere spirituellen Kräfte entwickeln, wie es Schritt Drei empfiehlt.

Nachdem wir nun ein wahrheitsgemäßes Verständnis der schädlichen und sinnlosen Natur unseres bisherigen Alkoholiker-Lebens erlangt haben, sollte es keine Frage mehr sein, was wir da, wie vorgeschlagen, der Sorge Gottes anvertrauen. Dies bringt unsere Betrachtung hin zum letzten Abschnitt von Schritt Drei.

Gott, wie wir ihn verstanden

Es mag anmaßend erscheinen, einen bestimmten Plan zu erörtern, wie man Gott verstehen und mit Ihm in persönlichen Kontakt treten kann. Da letzteres aber das Resultat des Dritten Schrittes sein soll, haben wir keine andere Wahl. Es erscheint sinnvoll, daß ein Alkoholiker dem anderen bereitwillig sein Gottesverständnis erklärt. Denn auf wen wird ein Neuling in dieser wichtigen Frage hören und Hilfestellung annehmen? Am ehesten noch auf seinesgleichen.

Gott zu verstehen übersteigt durchaus nicht die Kräfte unserer Vernunft und Auffassungsgabe, denn Vernunft kommt von Vernehmen. Wir beginnen Gottes Hilfe wahrzunehmen, sofort nachdem wir unsere Entscheidung getroffen haben und damit anfangen. die Zwölf Schritte zu leben. Die Persönlichkeitsveränderungen im Leben von AA-Mitgliedern, die die Schritte leben, sind Belege dafür, Ihr glückliches, nüchternes Leben ist Beweis genug. Wir können für diese Tatsachen bürgen. Sie erklären sich aus unserem täglichen Kontakt zu Gott, der unbeschreiblich ist. Er kann nicht definiert werden. Zum spirituellen Erwachen, dem Ziel dieses Genesungsprogramms, gelangen wir nicht durch eine einmalige großartige Geste, sondern durch Anwendung der AA-Gedanken in vielen kleinen Handlungen, Tag für Tag.

Es wäre verlockend bequem, wenn es ausreichen würde eine Wunderpille zu schlucken oder irgendein magisches Ritual zu zelebrieren und -Bums!- hätten wir die Spiritualität mit Löffeln gefressen und würden vor Heilung nur so strotzen. Aber da müssen wir euch enttäuschen. Diesem Buch mangelt es an Rezepten für so eine komfortable Schnell-Therapie. Viele Alkoholiker haben erfolglos danach gesucht. Und da wir Alkoholiker sind, versuchen wir es immer mal wieder. Die Suche nach dem leichteren, bequemeren Weg, dieser hartnäckige Anspruch auf eine Extrawurst, scheint eins unserer hervorstechenden Persönlichkeitsmerkmale zu sein. Aber Vorsicht, sowas ist gefährlich - besonders auf spirituellem Gebiet! Es hat sich immer wieder gezeigt, daß die längsten Umwege in unserem Leben sogenannte Abkürzungen waren. Und sie führten alle in eine Richtung - nämlich zurück zur Flasche und zu noch mehr Suff.

Schritt Drei legt uns den Versuch nahe, ein besseres Verständnis ethisch-moralischer Werte zu entwickeln. Sperren wir uns gegen jegliche Belehrung, sind wir unbelehrbar, oder sind wir noch lernfähig? Zeigen wir doch unsere Bereitschaft zu lernen, worin Gottes Wille besteht. Wir brauchen unseren Willen keineswegs an der Garderobe abzugeben. Es geht lediglich darum, ihn so auszurichten, daß er mit Gottes Willen übereinstimmt. Das nennt man Disziplin. Wie jede andere Disziplin, in Sport oder Wissenschaft, erfordert sie Training. Üben, üben, nochmals üben! Vor allem sollten wir uns in Demut und Gottvertrauen üben. Demut ist der Mut, entsprechend unserem wachsenden Glauben das Richtige zu tun. Wir sollten diese Charakterzüge an uns ganz bewußt kultivieren, bis sie uns durch tägliche Praxis in Fleisch und Blut übergehen. So werden alte, hinderliche Gewohnheiten durch neue, spirituell wertvolle ersetzt.

Realistisch betrachtet hängt unsere künftige Sicherheit davon ab, ob wir uns wie neu geboren fühlen können. Es geht tatsächlich um eine Art Wiedergeburt, nämlich heraus aus der dunklen Höhle unseres gemütlichen Elends, wo wir im Alkohol schwammen, und hinein in ein gesundes, nüchternes Dasein, das von aufrichtigen Motiven bestimmt wird. Um unser Leben in dieser neuen Sphäre aufrecht erhalten zu können, brauchen wir den regelmäßigen, spirituellen Kontakt zu Gott so nötig wie die Luft zum Atmen.

Das Geheimnis erfolgreicher Genesung hat einen Namen: surrender. Aufgabe wovon? Hingabe an wen oder was? Kapitulation wovor? Wir geben unseren falschen Stolz ebenso auf wie unsere Vorurteile spirituellen Dingen gegenüber. Wir kapitulieren vor unserer alkoholbedingten Schlaffheit und Schwäche. Wir geben uns ab sofort nicht mehr der niederen, erniedrigenden Macht des Alkohols hin, sondern der Höheren Macht, damit sie uns hilft.

Diese Aufgabe/Hingabe versuchen wir so komplett und total wie irgend möglich durchzuziehen. Denn AA-Mitglieder, die sich mit weniger durchmogeln wollen. als es ihre äußerste Anstrengung hergibt, scheitern oft mit ihrem Genesungsversuch. Das ist die Realität. Da führt kein Weg dran vorbei. Wir kennen keinen. Es dient unserem wohlverstandenen eigenen Interesse, wenn wir so einen Weg gar nicht erst suchen.

Es wäre doch geradezu hirnrissig, wenn wir aus einer gewissen Verweigerungshaltung heraus uns die Nüchternheit und das Leben durch die Lappen gehen ließen, das wir mit den Mitteln des Zwölf-Schritte-Aktionsprogramms erreichen können. ·Dieses, unser Programm ist nicht schwer zu befolgen. Die Zwölf Schritte sind einfach. Das Leben in AA ist einfach. Wenn wir die Zwölf Schritte tagtäglich anwenden, eröffnet sich der Weg zu einem spirituellen Leben. Und dann wird es uns ganz leicht fallen, dem Verständnis Gottes näher zu kommen.

Wenn wir dazu bereit sind, werden wir unsere Selbstgefälligkeit überwinden und das Gespinst alkoholischer Verstrickungen durchschauen, dem unser Denken verfallen war. Um zu leben, müssen wir mit den Vorbehalten Schluß machen, die unsere Genesung gefährden, Wir werden auch aufhören, über Gott Vermutungen anzustellen und lieber versuchen, Seine Hilfe zu nutzen. Manch Alkoholiker rappelt sich mit dieser Hilfe auf und gelangt zu großer Weisheit, Seelenstärke und zum Dienst. Andere bleiben ohne diese Hilfe in hilfloser Verwirrung stecken.

Stell dir vor, wir würden den Willen Gottes verstehen wollen, sind uns aber nicht sicher, ob es überhaupt einen Gott gibt. Falls doch, liegen uns immer noch alle möglichen Vorurteile quer im Weg. Wie können wir diese Hürden überwinden?

Für Leute wie uns wird wohl ein sehr starker Anreiz erforderlich sein, um so etwas wie "den bewußten Kontakt mit Gott" nicht nur für erstrebenswert zu halten, sondern ihn tatsächlich auch herzustellen und zu vertiefen. Uns Alkoholikern steht dieser Anreiz allerdings überreichlich zur Verfügung. Er findet sich im Ersten und Zweiten Schritt. Leben und Gesundheit sind die entscheidenden Werte. Wenn nun Gott der einzige ist, der uns zu beidem verhelfen kann, dann erscheint es töricht. eine solche verfügbare Quelle für Hilfe abzulehnen.

Wir sollten aufgeschlossen sein und versuchen, uns spirituelles Verständnis anzueignen, indem wir nach den Zwölf Schritten leben. Schon der Kontrollverlust, der das Leben jedes Alkoholikers völlig aus dem Ruder laufen läßt, ist Ansporn genug, der Vorstellung, daß da etwas stärker ist als wir, endlich näher zu treten. An diesem Punkt sollten wir mit der praktischen Ausarbeitung unseres höchstpersönlichen Verständnisses einer Höheren Macht beginnen. Das mag anfangs sehr mühsam sein. Doch wer langsam und stetig seinem Ziel zustrebt, ist immer noch besser dran als jemand, der stehenbleibt oder ziellos umherirrt. So werden wir täglich ein bißchen weiser und stärker.

Wir wollen uns nicht anmaßen, genau zu definieren, wie oder was Gott ist. Aber wir können unser Verständnis sicherlich verbessern, wenn wir uns einige Eigenschaften vergegenwärtigen, die Ihm zugeschrieben werden. Und wenn es uns dann noch gelingt, einige dieser Eigenschaften selbst zu erwerben, wird unser Leben dadurch bereichert. Es fällt uns dann leichter, auf spirituellem Gebiet Fortschritte zu machen.

Worin bestehen diese Eigenschaften? Resultieren sie aus dem Leben in den Zwölf Schritten? Wir denken, ja! Wir wollen einige davon aufzählen. Solche Wesenszüge, die wir gemeinhin mit Gott in Verbindung bringen und denen AA-Mitglieder eine Verbesserung ihrer Lebensqualität zuschreiben, sind zum Beispiel:

Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, lautere Motive, Mut, schöpferischer Elan, Intelligenz, Anstand, Vernunft, Tugend, Frieden, Gemütsruhe, Gerechtigkeit, Fairness, Hoffnung, Wahrheit, Bewußtheit, Vertrauen, Ehre, Aufgeschlossenheit, Nächstenliebe, Dankbarkeit, Mitgefühl, Demut, Wertschätzung, Toleranz, Vergebung, Dienst und Liebe. Viele glauben, daß die letzten beiden Wesenszüge den ganzen Rest mit einschließen.

Wir haben noch keinen Alkoholiker getroffen, der nichts von all dem an sich gehabt hätte. Vollständig schlecht kann gar niemand sein, wie tief sein Ansehen auch gesunken sein mag. Krankheit, Verzweiflung und die ständigen Gewissensbisse waren vielen von uns so unerträglich, daß wir uns in eine Ist-mir-doch-scheißegal- Haltung flüchteten und moralische Werte nicht mehr zu schätzen wußten. Wenn sie uns jedoch richtig einleuchten, akzeptieren wir sie. Selbst im Schlechtesten von uns steckt immer noch ein guter Kern. Er mag verschüttet und kaum noch lebendig sein, aber er ist immer noch da. In AA besteht Hoffnung auf Genesung, solange sich noch das kleinste Fünkchen Leben rührt.

Was hat es mit diesem göttlichen Funken des Guten in uns auf sich? Erwartet Gott, von uns verstanden zu werden? Wie sollen wir das Gute ausfindig machen, und was bedeutet es für uns? Da uns nichts Gegenteiliges bekannt ist, fühlen wir uns berechtigt, es als unsere spirituelle Möglichkeit zu bezeichnen, gut zu sein. GOTT könnte "eine KRAFT größer als unser Ego" sein, die Herz und Sinnen innewohnt. Welchen Begriff wir dafür verwenden, ist zweitrangig. Die Tatsache, daß wir alle eine entsprechende Antenne haben. daß diese POWER in uns allen veranlagt ist, daß wir an SIE glauben und uns in IHR vervollkommnen, nur das zählt.

Wenn ein Mensch spirituell erwacht, so ist das die natürliche Folge universaler Gesetzmäßigkeiten. Er erhält dadurch Zugang zu Kräften, die seine körperliche Begrenztheit bei weitem übersteigen. Die bei Otto Normalverbraucher noch im Verborgenen schlummernde Fähigkeit, spirituell zu erwachen, muß erst sorgfältig entwickelt werden. Sie steht ihm nicht auf Kommando zur Verfügung. Es ist wie mit einem Film, der in der Kamera zwar schon belichtet wurde, doch das gegenständliche Bild kann erst nach der Entwicklung erscheinen.

Spirituelles Erwachen kann man für Geld weder kaufen noch verkaufen. Selbst Alkoholiker bringen das nicht fertig. Solche spirituellen Erfahrungen sind die Folge einer spirituellen Denkweise. Und die wiederum fällt uns ohne praktische Anstrengungen nicht einfach in den Schoß. Wir erwachen nach und nach, durch viele kleine und größere Aha-Erlebnisse. Seltener geschieht es von jetzt auf gleich, obwohl auch das vorkommt. ( Blaues Buch, Seite 16, Mitte) Gläubiges Streben nach dem spirituellen Erwachen macht sich immer bezahlt.

Durch Glauben öffnen wir uns den Weg zum Verständnis der AA-Vorgehensweise. Durch Liebe und Dienst töten wir unsere Vorurteile und erlauben Gott, die Kerkermauern alkoholischen Denkens zu durchdringen. Durch die geheime Tür des surrender tritt ER ein, sobald wir völlig bereit sind, unsere Alkohol-Allergie und unsere mentale Besessenheit loszulassen.

Wenn dies geschieht, gibt ER uns den Schlüssel zu zufriedener Nüchternheit. Der Dritte Schritt ist dieser Schlüssel. Er beschreibt einen durchführbaren Aktionsplan. Wir arbeiten einfach damit, so gut wir nach bestem Wissen und Gewissen können, und beten, daß Gott den Rest tun möge. Bis heute hat ER uns dabei nicht im Stich gelassen.

Gotteserkenntnis kommt uns, wenn wir beim Leben der Zwölf Schritte unsere Lebhaftigkeit verlieren, das Ego loslassen, mit althergebrachten Worten: Selbstverleugnung bzw. Selbstvergessen. ,,Denn nur im Geben liegt wahrer Gewinn und im Selbstvergessen Friede."
[ grünes AA-Buch ,,12 Schritte und Traditionen", Seite 94] Wenn wir unsere Talente entwickeln und in den Dienst GOTIES stellen, gibt ER uns die Erkenntnis SEINES Willens für uns. Ein Teil dieser Erkenntnis kommt uns durch direkte Inspiration, die wir erhalten, wenn wir unseren Willen und unser Leben durch surrender IHM anvertrauen. Der Rest ist eine Sache von Gebet, Meditation, Glauben und bereitwilligem Dienen.

Unsere mentale Einstellung, unsere innere Haltung ist wichtig. Der Wunsch und die Bereitschaft, von unserer Krankheit zu genesen, motiviert uns, so daß sich bei uns neuartige Kräfte und ein tiefes Verständnis der spirituellen Zusammenhänge entwickeln. Es kommt uns - langsam. aber sicher - solange wir in den kleinen Dingen des Alltags treu und zuverlässig bleiben. indem wir z.B. sofort zugeben, wenn wir im Unrecht waren, die (fortgesetzte) Inventur unserer Charakterfehler machen, andern verzeihen, die Prinzipien der Ehrlichkeit, Demut, Toleranz, Liebe und Anonymität praktisch anwenden, wenn wir Wiedergutmachung leisten, und „die Botschaft hintragen“ zu anderen Alkoholikern.

Schritt Drei fügt unserem „Genesungshocker“ ein drittes Bein zu. Er erfordert schlicht und einfach die endgültige Entscheidung. durch surrender unseren Saufdruck „Gott. wie wir Ihn verstanden“ zu überantworten und durch das Leben in den Zwölf Schritten Gotteserkenntnis zu erlangen.

Um dies zu tun. müssen wir ein paar Fakten lernen. Fakten über uns selbst. Es ist nun an der Zeit, unseren Hocker an den Inventurtisch zu rücken und mit der Schreibarbeit zu beginnen.

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