Es schwebt ein Glanz

Es schwebt ein Glanz hoch überm Gold der Ähren,
Sie tauchen nickend in den Segen ein,
Ein Engel weint die hellen Freudenzähren,
Am Himmel zieht ein einz'ger Stern allein.
Die Hirten schlafen noch und lächeln drein,
Sie ahnden schon, wie nah der Herr mag sein.

Dem Engel geht ein Lamm so still zur Seite,
Das trägt ein Kreuz und blickt zu allen mild,
Die Schäflein sehen auf, was das bedeute,
Sie freuen sich am höhern Ebenbild:
"Ihr Hirten wachet auf, verkündet laut,
Ihr habt den Herrn im fernen Glanz geschaut."

Es naht der Herr in dieses Tages Frühe,
Im Erntesegen nahet uns der Herr,
Er lohnet uns Vertrauen, Liebe, Mühe,
Er gibt sich selbst für uns, so lohnet er,
Es ziehn die Könige zum Erntefest,
Wie kann die Hütte fassen solche Gäst.

Die arme Hütte kann sie alle fassen,
Es macht der Glanz sie alle froh und satt,
Und seinen Thron mag jeder gern verlassen,
Der hier noch einen Platz zum Knieen hat,
Es ist ein Kind geboren in dem Glanz,
Ihm bringen sie den reichen Erntekranz.

Aus Ähren und aus Trauben ist gebunden
Der Kranz, den sie dem Kinde bieten dar,
Sie haben es beim Strahl des Sterns gefunden,
Der noch am Tageshimmel leuchtet klar,
Einst segnet dieses Kind das Brot, den Wein,
Gott wird euch nah im ird'schen Zeichen sein.

Hat euch der Herr im Reichtum sich verkündet,
In seiner Ernten schöner Mannigfalt,
Verkündet ihn der Welt, der euch entsündet,
In dem Geschenk übt göttliche Gewalt:
Gedenkt des Herrn beim Brot, beim Becher Wein,
So kehrt der Herr im Geiste bei euch ein.

Achim von Arnim