10. Februar 

Die Menschen werden stärker durch ihre Schwächen. Sie gewinnen an Weisheit. (Edumund Waller) 

Es liegt ein guter Teil an Wahrheit in der alten Redensart: „Zeige mir deine Stärken, und ich sage dir deine Schwächen.“ Jeder Gewinn hat auch seinen Nachteil. Menschen etwa, die tüchtig und strebsam sind, neigen dazu, alles derart in den Griff zu bekommen, dass ihre Antwort wie aus der Pistole geschossen kommt, bevor sie überhaupt eine Frage gehört haben. Im Rahmen unseres Programms machen sich diese robusten Seelen daran, ihre charakterlichen Mängel schnell zu reparieren. Genauso schnell aber sind sie dann frustriert. Sie haben für sich eine Technik gefunden, alle Schwierigkeiten sofort zu beseitigen, und sie hat immer funktioniert. Warum also sollte es jetzt anders laufen? 

Hochintelligente Menschen neigen manchmal dazu, arrogant und ungeduldig zu sein. Während ihres ganzen Lebens haben sie sich immer gefragt, weshalb die anderen so lange brauchen, um zu kapieren. Aber sobald die Reise ins eigene Innere Weisheit verlangt anstelle bloßer Intelligenz, sind sie außer sich und irritiert. Sie haben immer Einser erhalten – warum also kommen sie jetzt nicht mit den neuen Anforderungen klar? Wie kann es sein, dass das Ausgeklügelte nicht das Richtige ist? 

Die meisten von uns erachten ihre Stärken als wertvolle Schätze. Vielleicht würden wir etwas lernen, wenn wir einmal die Kehrseite der Medaille genauer untersuchten. 

Wenn ich heute eine innere Bestandsaufnahme mache, will ich überprüfen, ob ich meine Stärken und charakterlichen Mängel richtig eingestuft habe.