10. Mai 

Denke wie ein Mann der Tat, handle wie ein Mann des Geistes. (Henri Bergson) 

Alles, was Macht hat, kann süchtig machen. Alles, was angenehm ist, kann süchtig machen. Aufregung kann sowohl angenehm wie mächtig sein. Manchmal lassen sich Menschen, die heute mit ihren verschleppten Kindheitsproblemen konfrontiert sind, auf höchst zerstörerische Aktivitäten ein – in ihren Beziehungen, in der Familie oder in finanziellen Angelegenheiten -, um der Erregung des Augenblicks nachzujagen. 

Erregung kann uns in Hochstimmung versetzen. Sie ist vielleicht Ersatz für jene viel natürlicheren Hochs im Rhythmus des Lebens, die zwar auch nicht immer ungefährlich sind, aber doch zumindest die eine oder andere vernünftige Schranke besitzen. Einige Leute haben für sich herausgefunden, dass Aktivitäten wie Fallschirmspringen, Drachenfliegen oder Wildwasserfahrten ihnen mehr als genug Aufregung bringen und doch nicht zwangsläufig in Bruchlandungen enden. Selbst die Spannung angesichts eines möglichen Erfolges, eines Sieges – oder gar der Herausforderungen auf dem beschwerlichen Weg zur Selbstfindung sorgt für ein bestimmtes Maß an innerer Erregung. 

Es ist nichts Falsches dabei, wenn Dinge einen gewissen Reiz auf uns ausüben. Die Aufgabe besteht jedoch darin, sicherzustellen, dass das, was in uns den kleinen oder größeren Aufruhr erzeugt, auch tatsächlich zur wahren Freude führen kann – und nicht bloß der direkte Weg in die nächste Katastrophe ist. 

Innere Gelassenheit ist für mich wichtiger als jede Erregung und jedes Vergnügen.