11. August 

Immer warnte ich meinen kleinen Bruder: „Sag es niemandem! Egal, wer dich fragt: Sag es niemandem!“ (Madeline C.) 

Menschen, die ihr Kindsein nie wirklich ausagieren konnten, sind all zu sehr daran gewöhnt, sich ständig zu verstecken und schnell umgeworfen zu werden. Obwohl sie nicht immer deutlich wurde, wussten wir, dass unsere Pflicht darin bestand, den dichten Schleier des Geheimnisses über alles mögliche zu breiten. „Sie“ – unsere Freunde, Lehrer, Nachbarn – durften niemals alles wissen. So sagten wir nichts. Niemals. 

Viele von uns machten es sich zur Gewohnheit, nicht zu sprechen. Genauso hielten wir es mit unserer abwehrenden Einstellung, mit unserer Neigung, für alles rationale Gründe zu finden, und mit dem Lügen. Uns wäre der Sprung aus dem Flugzeug ohne Fallschirm weniger gefährlich vorgekommen als das offene Gespräch mit einem Freund. “Sich mitteilen ist gefährlich!“ -  die alten Stimmen melden sich lauthals zu Wort, sobald wir uns einmal im Zusammensein mit einem Kameraden kurz entspannen. 

Die Aufgabe ist, diese lang gehüteten Geheimnisse loszulassen. Egal, wie schmerzhaft dieser Prozess des Sich-Öffnens sein mag – er ist unbedingt erforderlich für die innere Heilung. Für uns bedeutet diese Offenheit Kummer und Glück, Triumph und Tragödie – das eine ist die Quelle des anderen. Das Schweigen ist ein Gefängnis; Sich-Mitteilen der Schlüssel, der es öffnet. 

Heute will ich mich daran erinnern, dass das Vertrauen zu einem Freund nicht gefährlich ist. Ich werde mich öffnen, um aufrichtig von mir zu sprechen.