12. April 

Das gestohlene Brot schmeckt dem Manne gut; aber am Ende hat er den Mund voller Kieselsteine. (Die Sprüche Salomons 20,17) 

„Den dritten Weg“ wählen heißt: Man erlaubt sich selbst, unehrlich zu sein in einer Beziehung. Es bedeutet, dass wir, während eine ursprüngliche, auf geistigem Vertrauen beruhende Verbindung, die wir eingegangen sind, noch besteht, gleichzeitig eine neue beginnen, ohne die andere zu beenden. Es kann auch heißen, dass wir zulassen, selbst dieser Dritte zu sein, der hineingezogen wird. Der dritte Weg besagt, dass wir bereit sind, uns auf Halbheiten einzulassen. 

Wie läuft so etwas ab? Wenn wir nicht ständig ehrlich sind in unseren Worten und Taten, können wir einem anderen leicht signalisieren, dass wir Interesse und Bereitschaft haben, uns auf einer Ebene zu engagieren, auf der wir eigentlich nicht ungebunden und zu einem solchen Engagement frei sind. Die schmeichelhafte Reaktion des oder der anderen mag uns dann das Gefühl geben, gebraucht zu werden und wichtig zu sein. So machen wir Schritt für Schritt weiter, bis wir tief verstrickt sind in eine Situation, die schädlich ist. 

Der Preis, den wir für den „dritten Weg“ zu zahlen haben, ist immer hoch. Er kostet uns Selbstachtung, gesteigerte Scham- und Schuldgefühle und täglich eine Menge Angst. Und immer, immer die Gewissheit, dass irgendwann die Rechnung präsentiert wird. 

Meine Beziehungen können ehrlich sein. Das schulde ich mir selbst und denen, die mir anvertraut und wichtig sind.