12. August 

Wir werden erst dann von einem Leiden befreit, wenn wir es vollständig erfahren haben. (Marcel Proust) 

Die Heilung ist ein geheimnisvoller, vielschichtiger Vorgang. In jedem von uns beansprucht sie eine bestimmte Dauer, nimmt sie ihren eigenen Verlauf. Zumeist erkennen wir bei anderen viel leichter als bei uns selbst, dass sie Fortschritte macht. Unsere eigene Heilung überrascht uns sehr; wir nehmen sie oft erst wahr, nachdem sie schon eingetreten ist. 

Eine Situation, die früher einen Zornesausbruch ausgelöst hätte, besitzt irgendwie nicht mehr die Macht, uns durcheinander zu bringen. Eine schmerzliche alte Erinnerung taucht plötzlich auf ohne das flaue Gefühl im Magen, das sie sonst begleitete. Eine Woche vergeht, dann ein Monat, ehe wir erkennen, dass etwas Schreckliches passiert ist: Wir hatten dreißig gute Tage hintereinander gehabt! 

Eines Tages erkennen wir vielleicht ganz unvermittelt, dass unser Leben nicht das gleiche ist wie vorher. Etwas ist geschehen. Wir sind anders. Was zerbrochen war, wird ganz. Eine Bitterkeit, die „niemals“ hätte abgestreift werden können, hat sich verwandelt und ist schwächer geworden. Dann wissen wir, dass Wunder möglich sind – sogar für uns. 

Ich glaube daran, dass die Wohltaten im Prozess der Selbstfindung kein Ende nehmen. Heute bin ich geduldig, zuversichtlich und bereit, geheilt zu werden.