14. August 

Ich lernte zu überleben, nicht aber, wie ich leben sollte. (Gilly A.) 

Wir verbrachten den größten Teil der Kindheit damit zu lernen, wie man gerade noch so durchkommt. Viele von uns lernten nicht, wie andere Kinder zu spielen oder wie diese, die Wirklichkeit zu beobachten und zu beschreiben. Wir lernten nicht, über lustige Dinge zu lachen und über traurige Dinge zu weinen. Wir lernten, so dahin zu treiben, uns anzupassen und Reaktionen vorzutäuschen. Wir lernten, den Blick und das Verhalten jener Menschen so gut wie möglich nachzuahmen, die uns als „normal“ erschienen. Wir überlebten, so gut wir eben konnten. 

Einige machten dabei eine bessere Figur als andere. Einige – zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre nach den Tagen der Kindheit – haben in ihrem Leben außerordentliche berufliche Leistungen erzielt. Wir sagen uns selbst, dass uns jetzt diese früheren Dinge nicht mehr stören. Die Vergangenheit ist vorbei. Andere unter uns sind nie frei von quälenden Bildern. Für sie ist das Damals gleichbedeutend mit dem Heute, das Verlustgefühl hält an, und der schmerz begrüßt sie jeden Tag wie die Sonne. Sie haben keine Kraft für irgendwelche Ruhmestaten. 

Beide Gruppen von Erwachsenen, die auf je verschiedene Weise mit der Kindheit umgehen, sind in der gleichen Falle gefangen. Ohne den Wunsch, vergangenen Fragen sich zu stellen und sie zu lösen, entkommen weder die einen noch die anderen dem, was war. Beide sind immer noch dabei, „so durchzukommen“. Es gibt keine Ausflucht; es gibt nur den Weg durch die Schwierigkeiten hindurch. 

Heute bitte ich um Stärke, damit ich mich für das Leben entscheiden kann, nicht für das Überleben.