15. Januar 

Die netten Typen sind immer die letzten. (Leo Durocher) 

Einige von uns sind es gewohnt, Opfer, Fußabtreter, arme Schlucker zu sein. Egal, was geschieht – wir sagen niemals nein. Je mehr wir versuchen, nette Menschen zu werden, desto weniger können wir konstruktiv mit den Dingen umgehen. Die Schuld geben wir anderen, die dafür auch Verantwortung tragen sollen. 

Bei einer unserer Gruppensitzungen hat Darlene, stellvertretend für uns alle, genau diesen Sachverhalt zum Ausdruck gebracht. Sie ist weit über Fünfzig und seit zwanzig Jahren geschieden. Trotzdem sucht sie immer noch nach Mitgefühl für das, was ihr Mann – und Gott – ihr angetan haben. Vor fünfundzwanzig Jahren erbte sie von ihren Eltern fünfzigtausend Dollar. Nach und nach, sagte sie, hat ihr Mann, ein Alkoholiker, alles ausgegeben. Sie habe ihm das Geld sogar selbst gegeben und sie habe auch mit Geld umgehen können. Und doch war es so, dass er „einfach alles zum Fenster hinauswarf“. Und sie frage: „wie konnte er so etwas tun?“ 

Die näher liegende, gesündere Frage kam ihr nicht in den Sinn: Wie konnte sie einem kranken Menschen gestatten, ein kleines Vermögen aufzubrauchen? Die Moral der Geschichte würde demnach lauten: Dass wir „zu nett“ sind, ist nicht unser Problem. 

Heute will ich mein Gewissen daraufhin untersuchen, ob es Situationen gibt, in welchen ich Verantwortung von mir geschoben und das mit anderen Bezeichnungen versehen habe.