16. Dezember 

Die gewaltige Welt des Auges, des Ohres, besteht zur Hälfte aus dem, was sie erschaffen, und dem, was sie wahrnehmen. (William Wordsworth) 

Bei einer morgendlichen Fernsehshow gab es einen Beitrag über Haustiere. Einige Leute brachten ihre kleinen Liebling mit. Eines davon war eine Katze, die keine Haare hatte – sie sah seltsam aus, gewiss, aber war doch, nach allgemeinem Urteil, nicht schön. Der Moderator fragte behutsam: „Aber ist sie nicht hässlich?“ Und der ein wenig verletzte Besitzer entgegnete: „Schön ist, was der Betrachter als schön empfindet!“ 

Zum großen Teil sind es die Wahrnehmungen, die unser Leben formen. Das Leben wird in der Tat nicht nur durch das erzeugt, was wir sehen und empfinden, sondern dadurch, wie wir sehen und empfinden. Was für diesen ein katastrophaler Misserfolg ist, nimmt jener als Gelegenheit wahr, um etwas zu lernen. Der Gott, der einigen Menschen als Nörgler erscheint, ist dem anderen der Helfer, dass sie stark sind. Was der eine als unglückliche Kindheit auffasst, ist für den anderen eine Art Universität für die zum Überleben notwendigen Fähigkeiten, in der alle Absolventen den Doktorgrad erreichen. 

Es geht nicht darum, was passiert oder was uns zugestoßen ist – sondern darum, wie wir diese Ereignisse betrachten. 

Ich bin für meine Wahrnehmungen der Welt selbst verantwortlich. Ich akzeptiere die Tatsache, dass die Welt, die ich sehe, zum großen Teil die Welt ist, die ich hervorbringe.