16. Mai 

Manchmal ertappe ich meine Mutter dabei, wie sei mich mit liebenden Augen ansah. Wie hatte sie mich nur derart im Stich lassen können? (Micky C.) 

Für Menschen, die trinken, die Alkoholiker sind, ist die Liebe etwas Unbegreifliches. Dieses Wort und die damit verbundene Vorstellung mag für sie ur eine weitere Sache sein, die sei belastet, ihnen Rätsel aufgibt und Angst einjagt. Alkoholiker sind vielleicht bereit, uns das Blaue vom Himmel zu versprechen, aber sie vermögen einfach keine Taten folgen zu lassen. 

Als wir Kinder waren, liebten uns wahrscheinlich unsere Eltern, die vom Alkohol abhingen. Ein unbeholfener Klaps auf den Kopf oder ein verstohlener Blick voller Zuneigung war vielleicht der einzige Ausdruck von Liebe, den sie zu geben hatten. Und vielleicht waren ihnen alle ihre sonstigen Tricks ausgegangen. Es mag sein, dass wir deshalb nur Schweigen ernteten, als wir so sehr der Zustimmung bedurften. Es war wohl die Krankheit, nicht das Desinteresse, die sich hinter solchen Bemerkungen verbarg wie: „Das hättest du besser machen können“ oder „Ich habe keine Zeit, um zu deinem Ballspiel zu gehen.“ 

Viele Menschen, die Liebe empfinden, können sie nicht mitteilen. Sie haben einfach nicht die Fähigkeit, in gesunden Beziehungen ihre Rollen zu übernehmen. Ihre Krankheiten oder inneren Zwänge verhindern oft die intakten Bindungen, die so dringen von den Menschen, die sie liebe, und ihnen selbst gebraucht werden Möglicherweise haben wir als Kinder alles bekommen, was sie zu geben vermochten. 

Ich bitte um den Mut, Frieden zu schließen mit meiner Vergangenheit. Ich bitte heute um jenes Wissen, das Versöhnung erst ermöglicht.