20. Februar 

Gott hat Achtung vor mir, wenn ich arbeite – aber er liebt mich, wenn ich singe. (Rabindranath Tagore) 

Welche Vorstellung beschwört das Wort „Gott“ herauf? Viele assoziieren mit diesem Wort Bilder, die aus der Vergangenheit entlehnt sind und nicht weiter untersucht, nicht auf die Probe gestellt, nicht bestritten wurden. Wie so manch andere unserer Anschauungen, muss auch die Idee, die wir von Gott haben, einer erneuten Betrachtung unterzogen werden – und zwar im Licht jenes Prozesses, den wir als Selbstfindung bezeichnen. 

In vielen der alten Vorstellungen erschien Gott gewöhnlich als die etwas strenge, weiß gekleidete Figur, die in der Höhe thront und einen kritischen Blick auf all das wirft, was wir sind und tun. Vielleicht glaubten wir, Gottes einziger Wunsch bestünde darin, dass wir hart arbeiten und tapfer unser Leid ertragen. Oftmals denkt der Gott unserer Kindheit nur an die Arbeit, die allein zählt. 

Wenn wir jedoch nachdenken, gelangen wir vielleicht zu einem erleuchteteren, liebvolleren Gottesbild. Indem wir mehr über das Wesen der Liebe erfahren und sehen, wie sie sich äußert, mag das Verständnis reifen, dass es unsere Zufriedenheit ist, unsere Glückseligkeit und innerer Friede, was Gott uns am meisten wünscht. Vielleicht befinden wir uns dann in der wunderbaren Lage, wo wir zu begreifen beginnen, dass Gott mit uns glücklich ist, egal, ob wir spielen oder ob wir arbeiten. Es kann sogar sein, dass er uns lieber spielen sieht. 

Heute weiß ich, dass der Gott, der immer nur Mühsal bereitete, pure Einbildung ist. Im Maß, wie ich mich selbst besser kennen lerne, verstehe ich allmählich mehr von Gott.