20. Mai 

Sehr viele Menschen glauben, sie würden denken, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu arrangieren. (William James) 

Wir, die wir ständig auf unbewältigte Probleme aus der Kindheit stoßen, haben vielleicht tiefe destruktive Vorurteile – nicht gegen Menschen anderer Hautfarbe oder anderen Glaubens, sondern gegen uns selbst. Wir glauben, wir wüssten alles über die Grenzen unserer Fähigkeiten, die unverbesserliche Beschaffenheit unseres wahren Charakters und die ungünstigen Bedingungen, die der inneren Heilung im Wege stehen. Wie alle Vorurteile sind auch diese „Gewissheiten“ begründet auf Unkenntnis und fehlendes Nachdenken. 

Das echte, ernsthafte Denken tritt der Ignoranz entgegen und hinterfragt vorgefasste Meinungen. „Wer sagt das?“ und: „Was liegt dieser Vorstellung zugrunde?“ sind Fragen, die ein zum Denken fähiger Mensch stellt. „Ich weiß es doch“ und: „Das haben sie mir immer so gesagt“ sind Antworten, die ein denkender Mensch nicht akzeptieren wird. Bei wohlüberlegter Prüfung erweisen sich meist 99 % der offensichtlichen Tatsachen, die wir gegen uns selbst ins Feld führten, als hinfällig., Sie sind einfach nicht stichhaltig und entbehren jeder Grundlage. Wir sind nicht, was unsere Vorurteile aus uns machen wollen. 

Die Freiheit eröffnet sich jenseits veralteter Vorstellungen und Grenzen. Indem wir uns antreiben, gehen wir weiter – und kommen schneller voran, wenn wir unsere Vorurteile zurücklassen. 

Ich bin, der ich heute bin. Ich lehne es ab, von den gestrigen Vorstellungen belastet zu werden.