26. Januar 

Ich finde es schrecklich schwer, mir selbst eine Pause zu gönnen. Ich weiß nicht, woher diese Einstellung kommt. (Walker I.) 

„Ich kann nicht. Ich sollte nicht. Es ist meine Schuld.“ Diese selbsterniedrigenden, selbstzerstörerischen Gedanken sind Ausdruck eines unbegründeten Schamgefühls. Und weil Gedanken, ständig wiederholt, zu Überzeugungen werden und Überzeugungen, immer wieder aufrechterhalten, zu Handlungen, können solche Gedanken, die in Scham gründen, ins Unglück führen. 

Menschen, die mit ihnen leben, gelangen zu der Auffassung, dass es nicht normal sei, Fehler zu machen. Sie glauben, sie sollten genau wissen, was zu tun ist, ohne es überhaupt erst lernen zu müssen. Sie glauben, wenn sie etwas Falsches sagen oder tun, dann heißt das auch, dass sie selbst ganz und gar nichts taugen. 

Aber Fehler machen ist menschlich. Wenn wir anerkennen, dass wir nicht umhin können, uns auf menschliche Weise zu verhalten, so definieren wir uns selbst als immerzu Lernende. (Thomas Edison etwa schaffte es erst im zehntausendsten Versuch, die Glühbirne zu perfektionieren.) Wir sagen damit, dass wir weitermachen müssen, wenn unsere Träume nicht gleich in Erfüllung gehen. (Walt Disney ging sieben Mal bankrott, bevor ihm der Erfolg zuteil wurde.) 

„Du sollst nicht wie ein Mensch sein“ lautet das Gebot, das aus falschen Schamgefühlen abgeleitet wird. Welcher Unsinn! Wie könnten wir anders sein als fehlbar und menschlich? Und: Warum überhaupt sollten wir anders sein wollen? 

Ich bitte darum, dass ich gut zu leben verstehe mit den menschlichen Begrenzungen. Ich will versuchen, an mir zu akzeptieren, was ich auch anderen zugestehe.