26. Juli 

Demut ist Wahrheit. (Erasmus von Rotterdam) 

Man versuche einmal, ein Haus nach einem willkürlichen Plan zu bauen: das Ergebnis wird katastrophal sein. Man verwende einmal ungenaue Daten, um Investitionen zu steuern: der Bankrott wird kommen. Ein solider Fortschritt kann nur von einem sicheren, genauen Ausgangspunkt aus erfolgen. Das gilt für alle Bereiche menschlichen Strebens, und es gilt gewiss für die eigene innere Entwicklung. 

Demut ist Wahrheit. Als solche ist sie ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Programms, das Selbstfindung zum Ziel hat. Sie ist unser sicherer Ausgangspunkt, sie ist das X auf der Landkarte, wodurch wir erfahren, wo wir stehen, wenn wir uns auf die Reise begeben. Der geistige Zustand, den wir Demut nennen, besitzt die Macht, uns über Illusion und Verleugnung hinauszuführen. Demut zu erlangen heißt weit mehr als die eigenen Fehler zuzugeben. Wir müssen dabei auch lernen, uns die Tatsache zu eigen zu machen, dass wir gute Menschen sind, Menschen, die sich bemühen und die Fehler machen, wenn sie angenommen und geliebt werden wollen. Demut heißt nicht, dass man sich an die Brust schlägt oder selbst anklagt; Demut heißt, dass man die Wahrheit erkennt und akzeptiert. 

Heute will ich meine Vorstellungen über Demut neu beurteilen. Ich werde keine Angst davor haben, mich selbst als den zu sehen, der ich bin.