28. Oktober 

Behandle alle Dinge so, als wären sie dir geliehen, ohne dass du je darüber verfügen kannst: sei es der Körper oder die Seele, das Empfindungsvermögen oder die Stärke, seien es äußere Güter oder Ehren, sei es ein Haus oder ein Gut ... alles. (Meister Eckhart) 

Die Tatsache, dass wir uns keine Juwelen und Antiquitäten leisten können, bedeutet nicht, dass wir nicht besitzergreifend wären. Mein ist das Lieblingswort von einigen unter uns, die bis zum nächsten Monatsende kaum mit ihrem Gehalt auskommen: Mein Auto, mein Haus, mein Sparkonto, meine Kinder, mein Ehemann – sogar mein Alkoholiker! 

Jedoch ist Besitz – speziell in Bezug auf andere Menschen – in Wahrheit nur die Vortäuschung einer Machtposition. Die irrige Vorstellung, ein anderer gehöre uns, erzeugt Angst sowie ein falsch verstandenes Verantwortungsgefühl und eine übersteigerte Furcht vor dem Verlust. Wir können bestenfalls nur fürsorgliche Verwalter unserer Beziehungen sein, ganz zu schweigen von Dingen, die uns gehören. 

Etwas Wunderbares geschieht, sobald wir uns darin üben, die Menschen, die wir lieben, als nur geliehene zu betrachten. Anstatt darauf zu beharren, dass sie immer bei uns sein müssen, können wir heute das Vergnügen an ihrer Gesellschaft genießen. Wir können unsere Hände öffnen und ihnen und uns Raum geben, um die Freude am freien Leben zu entdecken. 

Heute werde ich zum ersten Mal loslassen.