29. Januar 

Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten. (Erster Schritt des AA-Programms) 

Die eigene Machtlosigkeit einzugestehen ist eine Vorbedingung, um sich selbst zu finden. Uns, die wir als Kind so oft hilflos waren, mag diese Vorstellung verblüffend erscheinen oder sogar lächerlich. Lebten wir nicht die ganze Zeit schon mit dem Gefühl, ausgeliefert zu sein? Sollten wir also nicht versuchen, davon wegzukommen und die eigene Macht zu erproben? 

Aber wir haben erkannt, dass im Rahmen unseres Selbsthilfeprogramms „machtlos“ etwas anderes bedeutet. Wir sehen ein, wie sehr wir all die unproduktiven, untauglichen Arten, mit unseren Lebenslagen fertig zu werden, ausgeschöpft haben. Machtlosigkeit heißt hier demnach: Wir verzichten auf den dominierenden Willen, auf die Ausübung von Zwang, auf die Gewohnheit, alles nur mit dem Verstand zu begreifen – einfach deshalb, weil diese Methoden zu nichts führten. 

Wenn wir zugeben, machtlos zu sein, sagen wir damit, dass wir die Absicht, alles immer auf eigene Faust machen zu wollen, hinter uns gelassen haben; dass wir nicht mehr durch eigene Stärke und Schlauheit versuchen, zu uns selbst zu kommen. Abzulassen von jenen inneren Kräften, die sich als verbraucht erwiesen haben und keinen Erfolg brachten, ist schließlich nicht viel anders, als ein altes, kaputtes Fahrrad mit platten Reifen auszurangieren. Dieses war immer noch besser als nichts – aber jetzt verfügen wir über eine neue Möglichkeit, unseren eigenen Weg zu gehen. 

Heute bin ich dankbar und erleichtert, dass ich meine unrealistischen Erwartungen hinter mir lassen kann.