29. November 

Ich? Ich ärgere mich über gar nichts. (Karen F.) 

Das Wort Ärger kann ganz und gar nicht diese enorme Wut beschreiben, die in den Herzen der Menschen gärt, die sich seit ihrer Kindheit unglücklich fühlen. Es gibt wohl tatsächlich kein Wort, um die Tiefe dessen, was wir dabei empfinden, genau festzuhalten. Aber diese innerste Wut ist eine mächtige Kraft in unserem Leben, nicht zuletzt deshalb, weil sie so sehr eingefleischt ist, dass man sie nicht sieht. Die meisten von uns würden nicht vermuten, dass sie vorhanden ist – wären da nicht ihre Folgen. 

Chronischer, im Innern begrabener Ärger ruft oft Störungen im Verhalten hervor. Ein Beispiel dafür ist die aufbrausende, hitzköpfige Reaktion auf nahezu alles – ein platter Reifen, ein verkehrtes Wort, das Kind, das etwas falsch gemacht hat. Unbedeutende Ausrutscher sind eine Freveltat; kleine Ungelegenheiten nicht zu tolerieren. 

Extreme Gefühllosigkeit ist ein anderer Ausdruck unterdrückter Wut. Hier erleben wir das tödlich schweigsame Verhalten, den Widerwillen oder die Unfähigkeit, überhaupt zu reagieren. – Dann gibt es jene unter uns, die einfach tödliche Angst haben vor Ärger in jeder Form und aus jedem Anlass. Wir benehmen uns dann so, dass wir Frieden um jeden Preis wünschen und nichts ins Wanken bringen wollen. 

Die Frage ist nicht, ob wir ärgerlich sind oder nicht. Die Frage ist, ob wir uns damit auseinander setzen oder nicht. 

Heute will ich den Ärger, den ich empfinde, gegenüber meiner Höheren Macht und gegenüber einem anderen Menschen zum Ausdruck bringen.