29. Juni 

Die größte Lügnerin war meine eigene Abhängigkeit. (Joanie R.) 

Wir kennen die Unehrlichkeit – anderen und uns selbst gegenüber. Viele von uns mussten lernen, mit den offenkundigen Lügen zurecht zu kommen, die in unserem nicht intakten Elternhaus an der Tagesordnung waren und überhaupt vielleicht erst diese Störungen verursachten. Eine Art des Umgangs mit ihnen bestand darin, uns selbst zu überzeugen, dass unsere Wahrnehmungen falsch waren. Die ungute Vorstellung, die wir von uns selbst hatten, und schließlich die eigene Unehrlichkeit bereiteten uns Schmerz – bis einige unter uns in irgendeiner Sucht oder anderen zwanghaften Handlungen momentane Erleichterung fanden. 

Aber solche Abhängigkeiten lügen genauso. Sie all – egal, an welche Substanz, welches Verhalten sie gebunden sind – sprechen sanft und verführerisch zu uns: „Probier es mit mir, ich werde dir die Enttäuschungen nehmen, die Einsamkeit, die Ablehnungen, den Schmerz. Ich werde dich heilen.“ Die Lüge ist natürlich die, dass Abhängigkeiten gar nichts nützen, weil nach jeder Ausschweifung, jeder kurzen Befriedigung, der Schmerz sich wieder einstellt. Und dann ist er oft noch schlimmer. 

Von einer Abhängigkeit zur nächsten zu wechseln, bringt auch nichts Gutes. Sich wie wild in die arbeit stürzen, Sex oder essen exzessiv genießen, Geld oder Religion als lohnenden Ersatz betrachten: all das ist kein Ausweg. Nur in der Wahrheit wird man frei von allen Süchten. Und die Wahrheit lautet: Wir müssen unseren Tatsachen ins Auge sehen, ohne jede Abhängigkeit. 

Heute will ich mein Leben daraufhin prüfen, ob ich von einer Sucht zur nächsten wechsle. Ich bitte meine Höhere Macht, dass sie mir hilft, auf dem rechten Weg zu bleiben.