31. Januar 

Als meine Freunde in der Gruppe mir sagten, ich solle Gott sein oder Gott einfach tun lassen, habe ich mich zunächst dagegen gewehrt. (Myrna K.) 

Wer könnte ganz bewusst beschließen, Gott zu spielen? Ich nicht, du nicht. Aber vielen von uns fällt es schrecklich schwer, Gott die Geschäfte der Welt führen zu lassen. Wir übernehmen Verantwortung für Dinge, über die wir nicht zu bestimmen haben, obwohl wir das mehr oder weniger gar nicht wollen. Genau das heißt: Gott spielen – und genau das ist es, was viele von uns immer und immer wieder getan und sich angewöhnt haben. 

Gott zu spielen ist nicht nur ein hartes Stück Arbeit. Es ist auch die beste Art, menschliche Beziehungen zu zerstören. Die anderen haben einfach etwas dagegen, von sterblichen Möchtegern-Göttern umgeben zu sein, deren „Füße aus Lehm“ für jedermann nur allzu sichtbar sind. Die gute Absicht allein lässt dann die Abwehrhaltung der Menschen ringsum nicht geringer werden. 

Loslassen ist nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn wir Loslassen verwechseln mit Gleichgültigkeit. Natürlich kümmern wir uns um andere. Aber das hießt nicht, das darf nicht heißen, dass wir Verantwortung an uns reißen. Sind uns die anderen so viel wert, dass wir sie ihre eigenen Fehler machen, ihre eigenen Siege erringen und Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen lassen? Wenn nicht, erzeugen wir Abhängigkeit, sowohl in ihnen als auch in uns, wie auch immer wir dazu stehen mögen. Wir müssen sorgsam sein, dass sie sie selbst sein dürfen. 

Heute will ich mir bewusst machen, dass mein Tun für jemand anderen auch ein Tun ist an diesem anderen.