5. Dezember 

Am Leben sein heißt: Miteinander den Raum teilen, die Träume, den Kummer, unsere Ohren öffnen, um zu hören, unsere Augen, um zu sehen, unsere Arme, um zu halten, und unsere Herzen, um zu lieben. (Paul Tillich) 

Ein wirkungsvolles, schöpferisches Leben bedarf der Übung und der Arbeit. Es ist wichtig, dies zu verstehen. Und es ist eine Frage von Fähigkeiten, die man erwirbt – genauso, wie man lernt, einen Haushalt zu führen oder eine Firma zu leiten, lernt man auch, glücklich und gut zu leben. Wie geschickt wir sind, hängt fast immer unmittelbar damit zusammen, inwieweit wir die Dinge auch praktizieren. „Ab und zu mal“ reicht dafür nicht aus. 

Man kann es sich vorstellen als ein Tauziehen zwischen dem, der wir im Augenblick sind, und jenem, der wir sein möchten: Der eine zieht fest; der andere zieht noch fester. Wer wird gewinnen? Der, der wir jetzt sind, ist stark in seinen programmierten Antworten, seinen angeeigneten Reaktionen und in seinen bequemen, gewohnten Empfindungsmustern. Wir sind die Summe dessen, was wir waren. Und die Vergangenheit ist mächtig. Unser neues, werdendes Selbst, jedes, das wir anstreben, ist jung und ohne die Kraft einer eigenen Geschichte. Wie soll dieses Selbst an Stärke gewinnen, wenn es nur ab und zu einmal eingeübt wird? 

Die Stunden und Tage unseres Lebens können zunehmend strahlender werden in all den Jahren, die vor uns liegen – wenn das Selbst, nach dem wir unterwegs sind, den Willen hat, alle Mühen auf sich zu nehmen. 

Heute gratuliere ich mir selbst zu der Stärke und Einsicht, die ich mir durch harte Arbeit erworben habe.