6. Februar 

Wer Schuldgefühle hat, ist für Anschuldigungen sehr empfänglich. (Henry Fielding) 

Ein Teilnehmer erzählte bei einem unserer Gruppentreffen eine seltsame Geschichte, um etwas zu sagen über die sehr menschliche Neigung, sich schuldig zu fühlen ohne einen wirklichen Grund. Die Geschichte handelt von einem kleinen Streich, den er ganz gerne anderen spielte, und zwar von Zeit zu Zeit in seinem Büro. Aufs Geradewohl suchte er einen Mitangestellten aus, näherte sich ihm unschuldig und flüsterte ihm ins Ohr: „Sie wissen Bescheid.“ Dabei schaute er verstohlen um sich. Er entfernte sich dann schnell und beobachtete aus einigem Abstand, was geschehen würde. Es war immer so, sagte er, dass der Empfänger dieser sonderbaren Botschaft zunächst verwirrt, dann besorgt aussah. Manchmal fing er zu schwitzen an, und jedes Mal zeichneten sich seine verzweifelten Gedanken ziemlich deutlich auf dem Gesicht ab: „O mein Gott, wie viel sie wohl wissen? Was werden sie unternehmen? Werden sie es irgend jemandem weitererzählen?“ 

Der Kern der Geschichte ist, dass fast jeder offen ist für Schuldgefühle. Selbst Unschuldige haben dann die Neigung, mit zitternden Knien etwas zu verheimlichen und sich zu schützen. Wie würden wir wohl erschrecken, frage unser Freund, wenn jemand uns zuflüsterte: „Sie wissen Bescheid“. Würden wir in Panik ausbrechen? Oder wären wir innerlich soweit im Gleichgewicht, dass wir das Ganze mit einem Lachen abtun würden: eben weil ein anderer nichts wissen kann als das, was wir selbst uns schon so sehr klar gemacht haben, dass wir damit fertig werden können? 

Heute bitte ich um den Mut, mich weiterhin durch meine Ängste hindurchzuarbeiten.