6. März 

Reichtum verloren – etwas verloren; Ehre verloren – viel verloren; Mut verloren – alles verloren. (Altes deutsches Sprichwort)  

Der Prozess der Selbstfindung ist nichts, womit man herumspielen könnte. Wenn wir sagen: „Gestern hatte ich Lust dazu; heute ist mir nicht danach“, so ist das unter Umständen eine nicht weiter ins Gewicht fallende Einstellung, wenn wir auf Bongos trommeln lernen wollen – aber wir schaden uns selbst, wenn wir auf diese Weise dem inneren Gleichgewicht näher zu kommen versuchen. 

So etwas wie Stillstand gibt es nicht. Entweder bewegen wir uns stückchenweise vorwärts, oder wir fallen zurück. Alles, was wir an Boden dazu gewonnen haben, kann verloren gehen – für immer. Unser Leben ist keine Fernsehserie. Die Probleme, mit denen wir umgehen, sind real, ernst und bedeutsam. Unser Einsatz dabei ist hoch – und in einigen Lebensbereichen nicht mehr zurückzubekommen. 

An vielen Wänden der Gruppenräume, wo wir uns treffen, steht die Aufforderung: „Mach niemals Kompromisse.“ Die Idee dahinter ist nicht, dass wir etwa perfekt sein müssten, aber dass jeder kleine Ausrutscher die Einladung ist für einen größeren. Der Prozess der Selbstfindung ist derart wichtig, dass sogar den kürzesten Strecken, die wir zurückgelegt oder verpasst haben, entscheidende Bedeutung zukommt. 

Ich will wachsam sein, dass ich nicht kilometerweit vom Weg abkomme, weil ich die ersten Zentimeter übersehen habe.