6. August 

Ich habe vielen Menschen Alpträume bereitet, weil ich darauf bestand, meinen Willen durchzusetzen. (Eamon O.) 

Wie wir es doch lieben, unseren Willen durchzusetzen! Was geschehen sollte, wann es geschehen sollte, wer was tun sollte und wie es jeder tun sollte – wir wissen genau, wie die Szene sich abspielen sollte. Wenn sie doch alle nur – wie wir – verstehen würden, was gut für sie ist! 

Wir alle haben natürlich unsere großen Augenblicke. Dann scheinen sich die Ereignisse und die anderen Menschen nach unserem Willen zu fügen. Einen Moment lang kosten wir die süße Macht aus. Aber die Befriedigung hält nicht an. Mag sein, dass unsere Beeinflussungen in die falsche Richtung gehen. Oder die späteren Vorkommnisse zeigen, dass unsere Vorgehensweise nicht richtig war. 

In Wirklichkeit funktioniert es nie, einen Fluss in eine bestimmte Richtung zwingen zu wollen. Je länger wir unser Programm einüben, desto mehr lernen wir, die Sicherheit aufzugeben, dass wir „wüssten“. Tatsache ist: Niemand von uns weiß, was passieren sollte, ganz zu schweigen vom Zeitpunkt und von den Umständen. Tatsache ist: Auch unsere sichersten Vermutungen können genau so gut falsch wie richtig sein. Und die Wahrheit hinter diesen beiden Tatsachen lautet. Aufregende neue Einsichten können nur denen zuteil werden, die wissen, dass sie nichts wissen. 

Heute bitte ich um Demut. Heute will ich mich darin üben, lieber gute Fragen als schlechte Antworten zu formulieren.