7. Mai 

Er, in seiner Blindheit, tat mir leid.
Doch kann ich prahlen: Ich seh´ ?
Mag sein, dass mich ein Geist bedauert,
Der nahe bei mir geht.
(Harry Kemp)
 

Uns wurde oft gesagt, dass Liebe das Band sei, das die Welt zusammenhält. Auf die eine oder andere Weise streben wir alle nach Liebe – so schnell wir nur können, und mit so viel Einfallsreichtum, wie wir nur haben. Aber was Liebe wirklich ist, lässt sich kaum fassen. 

Menschen mit einer schwierigen Kindheit greifen oft nach der falschen „Liebesmedizin“. Wir sind gewöhnlich stark von der Vorstellung angezogen, dass man uns nur dann, wenn wir gebraucht werden, auch akzeptiert. Wenn es auf dieses Gebrauchtwerden ankommt, so folgern wir, dann müssen wir uns vor allem mit solchen Menschen umgeben, die jenes Bedürfnis nach uns haben. Dadurch neigen wir dazu, tief in Beziehungen verwickelt zu werden mit Menschen, die wir bemitleiden; ihre Nöte sind so groß. 

Liebe und Mitleid sind nicht dasselbe. Unsere Liebesmedizin kommt nicht von verzweifelten Menschen, die nach jedem Strohhalm greifen, den sie irgendwie erreichen können. 

Ich lerne jetzt, den Unterschied zwischen Liebe und Mitleid zu erkennen. Ich bin nicht der Lebensretter des Menschen, den ich liebe.