9. April 

Ich mache mir Sorgen, dass ich nicht normal bin. Dann beunruhigt es mich, dass ich nicht einmal weiß, was „normal“ eigentlich bedeutet. (Hugh M.) 

Viele von uns kämpfen mit der Angst, sie seien nicht normal, sie seien nicht wie andere Menschen. Aber was besagt dieses Wort wirklich? Für die meisten bedeutet „normal“, dass sie etwas lange genug fühlten oder taten, bis sie damit angenehm leben konnten. 

Viele von uns Erwachsenen, die wir das innere Kind finden wollen, haben lange Zeit damit verbracht, rein gar nichts zu fühlen – das war für uns normal. Einige haben sich so sehr an ihre Schuldgefühle gewöhnt, dass sie nicht mehr wissen, was es heißt, selbstsicher und zuversichtlich zu sein. Andere wiederum sind derart vertieft in ihre Arbeit, dass sie es als unwürdig betrachten, wenn ein verantwortlicher Erwachsener einmal spielt – es ist eben nicht normal. 

Da die Gefühle unser Verhalten gleichsam einhüllen, empfinden wir es nach und nach als selbstverständlich, dass viele nicht normale Verhaltensweisen ganz normal sind. So kommen wir dahin, uns erst dann normal zu fühlen, wenn wir etwas Selbstzerstörerisches tun. Umgekehrt fühlen wir uns vielleicht gerade dann nicht normal, wenn wir in unserem eigenen Interesse handeln und uns selbst zum besten Freund werden. Für uns also ist die Frage: „Was ist gesund?“ viel wichtiger als die Frage: „Was ist normal?“ 

Heute will ich mir keine Sorgen darüber machen, ob ich den Maßstäben eines anderen gerecht werden kann. Ich will gesunde Entscheidungen treffen in der Gewissheit, dass daraus gesunde Verhaltensmuster entstehen, die „normal“ für mich sind.