10. Juni 

Ich wünschte, meine Seele hätte Fenster, damit ich meine Gefühle sehen könnte. (Artemus Ward) 

Wäre es nicht großartig, wenn unsere Mitmenschen unsere Gefühle sehen könnten? Wir würden einen Raum betreten, und jemand würde sagen: „Ich sehe, dass du dich gerade traurig fühlst. Darf ich dir helfen?“ 

Wir sind fast alle in der Erwartung aufgewachsen, die Menschen wären fähig, unsere Gefühle wie Hellseher zu erraten. Und ohne dass wir ihnen unsere Gefühle mitteilen oder sie um ihre Hilfe bitten, wüssten sie ganz genau, was wir empfinden. Als wir erkannten, dass das ein großer Irrtum ist, reagierten wir mit Wut, Verstimmung und Depression. Bis uns nicht jemand darauf aufmerksam machte, war uns nicht bewusst, wie verschlossen wir waren und welche großen Erwartungen wir an unsere Mitmenschen stellten. 

Solange wir aber nicht über unsere Gefühle sprechen, werden sie von den anderen nicht wahrgenommen. Und solange wir nicht um Hilfe bitten, werden wir keine bekommen. Die Menschen um uns herum haben Ohren, um zu hören, und Arme, um uns zu halten. Wir müssen nur bereit sein, die Fenster zu unseren Gefühlen zu öffnen. 

Ich kann meine Gefühle jemandem anvertrauen. Ich kann um Hilfe bitten, wenn ich Hilfe brauche. Wenn andere um mich herum Kummer haben, will ich für sie da sein. Aber ich werde nicht versuchen, ihre Gefühle zu erraten.