5. Juli

Geduld ist eine Tugend, die viel Geduld erfordert. (Unser täglich´ Brot)

Bevor wir uns für das Programm entschieden haben, waren wir möglicherweise ziemlich ungeduldig. Vielleicht hatten wir vergeblich darauf gewartet, dass unsere Eltern zu trinken aufhören und ihre Versprechen einhalten würden. Und voll Ungeduld hatten wir die Tage bis zu unserer Volljährigkeit gezählt, damit wir endlich von zu Hause ausziehen könnten.

Als wir dem Programm beitraten, stellte sich heraus, dass wir wieder viel Geduld aufbringen mussten. Wir erkannten, dass die Zwölf Schritte nicht nur eine Angelegenheit von zwölf Tagen waren. Wir hörten von anderen Teilnehmern, dass sie Jahre brauchten, um gesund zu werden, Insgeheim dachten wir vielleicht, dass wir das viel schneller schaffen würden. Bei uns wäre das eine Angelegenheit von nur wenigen Wochen, und dann wären wir geheilt.

„Gut Ding braucht Weil´“, wie es so richtig heißt, und das könnte auch ein Wahlspruch des Programms sein. Will man auf einem Gebiet eine gewisse Fertigkeit erlangen, muss man sich viele Stunden damit beschäftigen und regelmäßig üben. Wenn wir zum Beispiel Klavierspielen lernen, beginnen wir mit einfachen Griffen, und erst, wenn wir eine große Fingerfertigkeit erreicht haben, können wir ein ganzes Konzert spielen. Das Ziel, das wir mit Hilfe des Programms erreichen wollen, ist, für den Rest unseres Lebens Konzerte zu spielen. Das ist aber nicht von heute auf morgen möglich, dazu braucht man Zeit und Geduld.

Ich will mir das, was ich durch das Programm gelernt habe, für mein lebenslanges Studium zunutze machen.