7. Oktober

Die größten Geschenke erhält man nicht durch Analysieren. (Ralph Waldo Emerson)

Verliebte denken gern daran, wie sie sich kennen gelernt haben und wann es ihnen zum ersten Mal bewusst wurde, dass sie sich verliebt hatten. Sie drücken auf die Taste „Playback“, um die Anfänge ihrer Beziehung noch einmal vor sich zu sehen, so als wollten sie die Wiederholung einer Sportaufzeichnung analysieren. „Ja, in diesem Augenblick war mir klar, dass ich mich verliebt hatte“, wird der eine oder andere feststellen. Und sein Partner wird einwenden: „Ich habe dich zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig gekannt. Ich war noch nicht so weit.“

Das gemeinsame Zurückverfolgen einer Beziehung kann die Partner enger aneinander binden, doch im Grunde kommt es nur darauf an, dass man sich verliebt hat. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es an einem Dienstag oder an einem Aprilmorgen passiert ist. Dass man sich verliebt hat, stellt man nicht durch eine genaue Analyse fest, sondern dadurch, dass man die Liebe des anderen als Geschenk betrachtet.

Das Analysieren von Menschen, Plätzen und dingen ist sicherlich eine Möglichkeit, sich einzelne Details wieder ins Gedächtnis zu rufen. Aber es ist weit weniger wichtig, als zu erkennen, dass man etwas Wertvolles erhalten hat. Geschenke sind nicht da, um analysiert, sondern um angenommen zu werden.

Heute Abend will ich aufhören zu analysieren, warum ich eine nette Familie, einen guten Job, verlässliche Freunde und schöne Begegnungen habe. Ich will alles als das betrachten, was es ist – als Geschenke, die ich würdigen muss.