8. September – Dem Schmerz Einhalt gebieten

Manche meiner Gefühle waren so lange auf Eis gelegt, dass sie Gefrierbrand bekamen.

Der Schmerz, den wir empfinden, hat vielerlei Ursachen. Jene unter uns, die sich von schweren Kindheitsproblemen und Co-Abhängigkeitssymptomen befreien, tragen ganze Lagerstätten ungelöster Schmerzen aus der Vergangenheit mit sich herum. Manchmal tragen wir seit der frühen Kindheit bis zum heutigen Tag Gefühle in uns, die wir nicht zulassen, weil sie zu sehr weh tun oder weil wir damals keine Unterstützung und Erlaubnis erhielten, um mit ihnen umgehen zu können.

Es gibt andere Ursachen des Schmerzes in unserem Leben, die genauso unvermeidlich sind. Da ist die Trauer und der Kummer, wenn wir Veränderungen – auch positive – durchmachen, wenn wir uns von einem wichtigen Aspekt unseres Lebens trennen und ins Unbekannte aufbrechen.

Es schmerzt, wenn wir beginnen, Gefühle zuzulassen, unseren Schutzschild der Verleugnung abzuleben.

Es gibt einen Schmerz, der uns zu besseren Entscheidungen für die Zukunft führt.

Wir haben viele Möglichkeiten, diesem Schmerz ein Ende zu bereiten. Einige davon haben wir bereits ausprobiert. Zwanghafte und suchterzeugende Verhaltensweisen bringen Schmerzen zum Stillstand – allerdings nur vorübergehend. Vielleicht haben wir Alkohol, andere Suchtmittel, Beziehungen oder Sex dazu benutzt, um unseren Schmerz zu beenden.

Wir reden zwanghaft oder fixieren uns auf andere Menschen und ihre Bedürfnisse, um unseren Schmerz zu lindern.

Vielleicht wenden wir uns einer Religion zu, um schmerzlichen Gefühlen auszuweichen.

Wir flüchten uns in hektische Betriebsamkeit, um bloß keine Zeit für unsere Gefühle zu haben. Wir können unseren Schmerz aber auch mit Geld, Sport oder Essen betäuben.

Uns bietet sich eine Vielzahl von Fluchtmöglichkeiten. Einige davon haben wir vielleicht als Überlebensstrategien benutzt, um irgendwann festzustellen, dass sie nur ein Notbehelf waren – kurzfristige Betäubungsmittel, die das Problem nicht lösen konnten. Unser Schmerz hat damit nicht aufgehört; er wurde nur vorübergehend zugedeckt.

Heute stehen uns weitaus bessere Maßnahmen zur Verfügung, um unseren Schmerz zum Stillstand zu bringen. Wir können ihm begegnen und ihn spüren. Mit Hilfe unserer Höheren Macht können wir den Mut aufbringen, den Schmerz zu spüren, loszulassen und durch ihn innerlich zu wachsen – zugunsten einer neuen Entscheidung, eines besseren Lebens.

Wir können Verhaltensweisen ablegen, die Schmerzen verursachen. Wir können die Entscheidungen treffen, uns aus Situationen fernzuhalten, die einen ähnlichen Schmerz noch einmal erzeugen. Wir können die Lektion lernen, die unser Schmerz uns nahe bringt.

Selbst wenn wir uns vor Schmerzen krümmen: Auch darin liegt eine Lektion. Vertrauen Sie diesem Gedanken. In uns wird etwas ausgearbeitet. Die Antwort kommt nicht, wenn wir zu Suchtmitteln greifen oder uns sonst wie zwanghaft verhalten; die Antwort erhalten wir, wenn wir unsere Gefühle spüren.

Er erfordert Mut, innezuhalten und das zu fühlen, was wir fühlen müssen. Allem Anschein nach haben wir in unserem Inneren oft mehrere Schmerzschichten eingelagert. Kummer tut Weh. Trauer tut weh. Verlust tut weh. Es nützt aber nichts, das zu verdrängen, was bereits vorhanden ist; es nützt nichts, ein Leben lang alte und neue fest verschnürte Schmerzpakete in unserer Seele einzulagern.

Der Schmerz geht vorüber, dauert nicht länger als nötig, bis wir davon befreit sind. Wir können uns darauf verlassen, dass es gut ist, Schmerz zu empfinden. Wir können bereit werden, die unausweichlich schmerzhaften Gefühle voll und ganz zuzulassen und anzunehmen.

Überlassen wir uns dem Fluss, auch wenn die Strömung uns durch unangenehme Gefühle trägt. Innere Loslösung, Freiheit, Gesundheit und gute Gefühle erwarten uns auf der anderen Seite.

Heute bin ich offen und bereit, das zu fühlen, was ich fühlen muss. Ich bin bereit, meine zwanghaften Verhaltensweisen abzulegen. Ich will nicht mehr verdrängen. Ich will fühlen, was ich fühlen muss, um geheilt und gesund zu werden.