9. September – Perspektive

All zu oft bemühen wir uns um eine klare Perspektive, ehe die Zeit dafür reif ist.

Das macht uns verrückt.

Wir wissen nicht immer, warum Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Wir wissen nicht immer, wie eine bestimmte Beziehung sich entwickelt. Wir verstehen nicht immer den Grund unserer Gefühle – warum wir einen bestimmten Weg geführt werden, was in uns ausgearbeitet wird und was wir lernen; warum wir Rückfälle erleiden, warum wir warten, warum wir durch eine Zeit innerer Disziplin gehen mussten oder warum eine Tür verschlossen war. Uns ist nicht immer klar, wie sich unsere gegenwärtige Situation im großen Plan des Gesamtgeschehens entwickeln wird. Das muss so sein.

Die Perspektive ergibt sich im Rückblick.

Wir können uns heute stundenlang den Kopf über die Bedeutung einer Sache zerbrechen, deren Erkenntnis in einem Jahr möglicherweise blitzschnell über uns kommt.

Lassen Sie los. Wir können uns von unserem Bedürfnis lösen, die Dinge ganz und sofort erfassen, kontrollieren zu wollen.

Jetzt ist es Zeit, einfach zu sein; zu fühlen; hindurchzugehen; die Dinge geschehen zu lassen; zu lernen. Was immer es ist, das in uns ausgearbeitet wird – wir lassen den Dingen ihren Lauf.

Im Rückblick werden wir erkennen. Für heute genügt es, einfach da zu sein. Wir haben erfahren, dass sich alles in unserem Leben zum Guten werden. Wir können darauf vertrauen, dass es geschieht, auch wenn wir den Stellenwert nicht erkennen können, den die Ereignisse von heute im großen Zusammenhang haben.

Heute will ich die Dinge geschehen lassen, ohne alles verstehen zu wollen. Wenn mir heute keine Klarheit zuteil wird, vertraue ich darauf, dass ich sie später im Rückblick gewinne. Ich habe ganz einfach Vertrauen in die Wahrheit, dass alles gut ist, dass die Dinge sich so entfalten, wie es sein soll, und sich in meinem Leben alles zum guten wendet – auf bessere Weise, als ich es mir vorstellen kann.